San Jose

Die gute Nachricht vorab: „Wir werden nicht verhungern.“ Das landestypische Frühstück „gallos pintos“ -Bohnen mit Reis – ist vegan und wir müssen so für die wichtigste Mahlzeit am Tag keine Stunts hinlegen.
Wir haben im Supermarkt Sojamilch und Tofu gesichtet, die geliebte Advocado gibt es an jeder Straßenecke, die Früchte sind traumhaft. Sogar fein, vegan-asiatisch Essen waren wir und andere vegetarische Restaurants wurden gesichtet. Zumindest für San Jose waren unsere Befürchtungen völlig umsonst.

Der erste Tag hier in San Jose hat sich sehr unwirklich angefühlt, unsere innere Uhr stand noch auf Deutschland und wir hatten ständig das Gefühl: Es MUSS doch einfach schon viel später sein.

Die erste Begegnung mit der Stadt grenzte an Überforderung pur, der Straßenverkehr, der gefühlt nur aus Mopeds, Taxen und Bussen besteht, wirkte wie das pure Chaos – wilde Hupkonzerte und rücksichtsloses Fahren prägen den Verkehr. Die Straße als Fußgänger zu überqueren ist nur mit 100 % iger Aufmerksamkeit empfehlenswert, erschwert wird die Fortbewegung auf zwei Beinen noch dadurch, dass es kaum Fußgängerampel gibt – man orientiert sich hier stark am Autoverkehr.

Am zweiten Tag erst, erscheint uns die Straße zu überqueren kein Spiel mehr mit dem Leben zu sein, Hauptsache im Windschatten der Einheimischen und immer bereit sein zu rennen oder zu springen. Aber Vorsicht, offene Schächte und ungesicherte Gruben gibt es an vielen Ecken.
Endlich fallen einem Details auf. Die Fußgängerzonen sind voll von Einheimischen die Angebote in die Menge rufen. Die meisten gehen weiter und dran vorbei. Die Angebote sind sehr unterschiedlich. Socken, Chips oder ähnliche Snacks und was man häufig sieht sind merkwürdige Zettel. Uns Touristen werden diese Zettel aber nicht angeboten – es muss also was ganz besonderes sein – umso mehr wollen wir es … nicht!

Dank GPS fiel es uns Orientierungsidioten recht leicht an die wichtigen Punkte zu gelangen, die wir bereits gefunden hatten.
Bis auf die Touristeninformation war auch alles leicht zu finden. Eine leicht zu findende Touristeniformation ist allerdings auch überbewertet. Am zweiten Tag haben wir dem Spiel der Travel-Agencies getrotzt und haben, obwohl sie uns von Pontuis zu Pilatus schickten, endlich zum Ziel gefunden.

Nicht nur der Verkehr war verwirrend. Wie zwei andere deutsche Touristinnen scheiterten wir beim ersten Versuch Geld zu holen – dumm wenn der Automat trotz englischem Menüs alle wichtigen Dialoge in Spanisch vorhällt und der Automat auf den Hinweis: Yo no hablo espagnol mucho. Habla inglais?“ nicht reagiert. Zwei Schweißausbrüche und zwei Automaten später waren die ersten 100.000 Colnes im Gepäck.

Was doch sehr enttäuscht, ist der stinkende Verkehr. Aus den Auspuffen der Autos kommt teilweise so dicker schwarzer Rauch, dass man glaubt, sie Tanken Gummireifen und keinen Sprit. Es hängt die ganze Zeit der Gestank von Abgasen in der Luft, so dass man nach kurzer Zeit mit latenten Kopfschmerz unterwegs ist. Von einem Land, was sich den Umweltschutz auf die Fahne geschrieben hat, haben wir mehr erwartet – doch sehr ernüchternd.

Zwar gibt es nur wenige Fußgängerampeln, aber die wenigen die es gibt, sind recht witzig. Die Ampelnmännchen sind animiert und die Ampeln zwitschern bei Grün, wie ein Vogel, dem wir in einem Park begegnet sind und wenn die Rotphase naht wird das zwitschern immer panischer. Ob der Vogel die Ampel oder die Ampel den Vogel nachahmt ist uns noch unklar. Es hat allerdings etwas gedauert, bis wir dieses Geräusch den Ampeln zuordnen konnten.

Das Stadtbild ist geprägt von baufälligen Häusern und Häusern, die wie verrammelte Hütten wirken, aber immer wieder lassen einige wenige Häuser im Kolonialstil (die zwar teilweise verfallen sind) erahnen, dass es um San Jose nicht schon immer so schlimm bestellt war.

Wir sind sehr froh, dass wir San Jose nach 2 Tagen hinter uns lassen und morgen weiter in die Region Arenal reisen. Leider kann man es nicht anders beschreiben, denn auf die Stadt treffen größtenteils nur wenig schmeichelhafte Adjektive zu: laut, chaotisch, schmutzig und stellenweise sehr häßlich bzw. heruntergekommen.