Lurchaibel in Tíleran/Paradies

Was für eine Nacht. Die Grillen zirpen die ganze Nacht – besser als die Sirenen von San Jose, die mindestens genauso unaufhörlich auf sich aufmerksam gemacht haben. Der Wind hier ist ein ordentliches Lüftchen. Geckos und Affen – total verrückt – die die Sonne und gefühlt auch uns um 05:30 Uhr begrüßen.
Ja 05.30! Um diese Zeit beginnt in Costa Rica la pura Vida. Es ist wahnsinnig schnell und früh hell und da unser Biorhythmus um die Zeit eigentlich eher auf Mittagessen eingestellt ist, fällt das Aufstehen unglaublich leicht. Eigentlich aber auch kein Wunder, denn um 17:30 geht die Sonne unter, um 18:00 ist es eigentlich dunkel und um 18:30 so dunkel wie in einem Hühnerpo. So früh wie hier waren wir noch nie schlafen.
Heute war der Lohn für unser frühes Erwachen ein ganz besonderer. Unsere Cabina hat zwei sehr große Fenster mit einer tollen Aussicht. Kaum zu glauben, was um 05:30 am Strauch vor unserer Terasse auf Nektarsuche ist… ein Kolibri so groß wie ein viertel Twix schwebt von Blüte zu Blüte. Wir trauen unseren Augen nicht. Freuen uns einen Wolf und sind mit dem Fotoapparat leider zu spät. Der kleine Flugkünstler ist aber kein Einzelfall. So regelmäig wie die KVB ab 02.00 Uhr nachts fliegt ein Kolibris in einem „Meer“ von Schmetterlingen vor unser Cabina herum. Ein besonderer Moment und auch noch als JPG für die Nachwelt konserviert.

Da das Frühstück erst für 08:00 angeboten wird und wir 1,5 Stunden totschlagen wollten, kam uns der Gedanke eines Spazierganges am Morgen. Die Straße ist mit schmal, unübersichtlichh verwuchert und kuvig sehr treffend beschrieben und eigentlich reichte uns die Verantwortung für unser eigenes Leben.
Der Wachhund unserer Unterkunft konnte aber nicht zulassen, dass ein Teil des Rudels vor dem Morgenapell die Anlage verlässt und dackelte uns nach. Zurückschicken ließ er sich nicht. Wir rätselten, ob er auf schweizerdeutsch oder spanisch erzogen wurde versuchten das Wort Stop und Alto – allerdings ohne sinnvolle Reaktion vom Hund.
International anerkannte Handzeichen hingegen befolgte er nach eigenem Ermessen. Eine Menge Arbeit, denn er wollte vor den Kurven immer die Straße überqueren. Also wurde alle 30 Meter wieder gerufen und nach links an den Straßenrand gezeigt, um das Spiel kurze Zeit später zu wiederholen.
Seinen IQ haben wir mehrfach kommentiert und immer wieder drüber gelacht, wie er bis heute überlebt hat und dass er als Einheimischer eigentlich auf uns aufpassen sollte. Nach 2 km fiel der Groschen dann auch bei uns. Als wir auf eine völlig uneinsehbaren Kurve zukamen, ergab das Vorgehen des Hundes einen Sinn und wir haben vor der Kurve die Straßenseite gewechselt. Ich schwöre ich habe ihn grinsen sehen – offen bleibt nur die Frage wer hier die ganze Zeit versucht hat auf wen aufzupassen.

Wir haben es mit unserer Bleibe der Cabina Arelago sehr gut getroffen. Ein schweizer Ehepaar hat sich hier vor 15 Jahren ein Stück Land erworben und mittlerweile ein Paradies daraus erschaffen. Es gibt keine für uns doch eher exotische Frucht, die Erika (Teil eins des Ehepaares) nicht in ihrem Garten hat. Kaffee, Bananen, Carambole (die nichts aber rein gar nichts mit denen bei uns im Geschäf zu tun haben, so eine feine und geschmackvolle Säure *schwärm*), Ananas und Früchte deren Namen ich zwar vergessen habe, ihren Geschmack aber unwiederbringlich mit CostaRica verbinden werde. Man stelle sich einen exotischen Multivitamin-Saft vor – so riecht und so schmeckt dieses Stück Tropen – und das gibt es hier für einen Dollar Aufpreis zum Frühstück.

Die Unterkunft ist schlicht, aber sicher, sauber und gemütlich. Mit Erika schmieden wir die Pläne für die nächsten Tage. Vulkan Arenal und die Hängebrücken von Arenal. 2 Stunden Busfahrt, zum eigentlichen Ziel trampen und nach dem Bestaunen auf gleichem Wege wieder zurück. Die Abenteuer werden vorerst kein Ende nehmen. Vorher erhalten wir noch die nötige Einweisung für unsere nächste Bustour nach Tilleran. Von Hauptbahnhof zu Endstation ist Einsteiger-Pillepalle – auch wenn sich das gestern nicht so angefühlt hat. Heute kommt der Aufbaukurs „Busfahren in Mittelamerika“ und wir lernen nach kurzer theoretischer Einführung dirkt anhand der praktischen Umsetzung, wie man irgendwo auf der Route eines Bussen einsteigt und viel wichtiger wo man will wieder aussteigt – ohne Waffengewalt anzuwenden und dafür nur den angemessenen Preis zu zahlen.

Gehört getan. Wir stellen uns an die Straße und warten auf den richtigen Bus – woran man ihn erkennt wissen wir nicht. Ein Schild ist die Erwartung, naja wird schon. Auf Zeitangaben kann man sich nicht verlassen, so viel wissen wir, also sind wir geduldig. Endlich ein Bus, aber der Optik zufolge ein Schulbus. Wir heben zögerlich die Hand. Eine Lichthupe als Zeichen erfolgt als Antwort. Er hält mit offener Tür – so kann man eine Klimaanlage auch ersetzen und spart den Aufpreis. Tilleran? Si si senor. Dos billetos….. fertig. So leicht? Ja ganz genau so leicht. Die Insassen wirken wie Schüler auf dem Heimweg… schräg. Bänke sind keine frei, also tief in die Trickkiste gegriffen. Con su permissio!? ein Blick ein Nicken und auch das ist geschafft… 35 Kurven und Schlaglöcher später sind wir im Zentrum der Stadt angekommen.

Tilleran ist eine beschauliche kleine Siedlung umgeben von Natur pur. Mehr als eine Kirche, einen Fußballplatz und zwei Supermärkte gibt es hier nicht. Zentrum ist der Dorfplatz um den herum noch einige Sodas und eine Schule die das Stadtbild abrunden. Geld ist schnell geholt und der Rückweg wird angetreten.
Unsere Verbindung wird ausgerufen. Wir steigen eigen und versuchen ein: Alto aqui? und zeigen ihm die Visitenkarte der Cabinas. Si. und dann redet er mit den Leute hinter uns fragt sie zu welcher Tarifzone der Ort gehört bzw wo er genau liegt, cinqo ciento…. dos billetos… un mille…. fertig. KVB lese und lerne…. 10 Minuten später stehen wir genau dort wo wir hingehören. Costa Rica toll! Menschen toll! Pura vida!