Vienta Fresco – Cataratas

Da Karo vorgestern einen Plan geschmiedet hatte, waren wir gestern wieder auf Achse. Eine gesunde Mischung aus Bus und Taxi hat uns zum Ziel gebracht: die Vienta Fresco – Cataratas (Wasserfälle)
Die Tour ging ungewöhnlich spät los und hatte nur ein geringes Risiko irgendwo hängenzubleiben. Also mal was Entspanntes.
Die Aussicht bei der Taxifahrt war phänomenal. Unglaubliches grün auf noch unglaublicher geschnitteten Bergen. Eine traumhafte Kulisse so weit das Auge reicht. Die Sonne brennt seit wir wachgeworden sind. Perfektes Ausflugswetter.
Für ca 15.000 Colones dürfen wir das Gelände betreten und müssen über die beiden Angestellten lachen, denn kaum verlassen wir die Rezeption, machen sich die beiden ihr erstes Bier auf – so lässt es sich arbeiten. Eine Straße naturelle führt vom Startpunkt runter zum eigentlichen Gelände. Der Weg war eine gute Vorbereitung für das was noch kommt. Ordentliches Gefälle, das man später auch wieder hoch muss. Nach 20 Minuten Marsch kommen wir am Sammelpunkt an. Ein unglaublich süßer Hund und eine Gruppe begrüßen uns. Der Hund ist so süß, dass ich vergesse zu grüßen. Ich hoffe der Hund kommt mit… so süß der kleine.
Er holt sch leider nur ein paar Striecheleinheiten und lässt uns alleine ziehen und wir steigen die ersten „Stufen“ zu den Fällen hinab. Die Stufen der Treppe variieren extrem von Kniehoch bis zu Teppichkantenhöhe ist reichlich Abwechslung geboten und man kann nur schwer einen Rhytmus finden. Der Pfad schlängelt sich immer weiter hinab. Noch denke ich nicht an den Aufstieg – der kommt noch früh genug.
Durch den Wald hört man den ersten Wasserfall rauschen. Die Vorfreude steigt und der Wald gibt den ersten Fall frei. Er ist überraschend laut, stellen wir fest, als sich uns der erste Wasserfall zeigt.

Schön und beeindruckend und eine wundervolle feuchte und kühle Briese ist die Belohnung für die erste Arbeit. Nach einigem Bestaunen gehen wir den Weg weiter. Natürlich bergab, wie Wasser nunmal so fließt. Ob es am Ende einen Transit nach oben gibt? Erstmal aber verzaubern lassen. Die Fälle sind wie die Treppenstufen nicht kleine Rinnsale sondern sehr beeindruckend. Wir lassen uns immer weiter in das Tal hinabziehen. An Raststellen vorbei – für die wir später noch dankbar sein werden, geht es unaufhöhrlich bergab.

Beim Rainbowfall einem 75 Meter hoher Megawasserfall kann man schwimmen, hätte man Schwimmsachen dabei. Wir nutzen den Ort, um uns kurz abzukühlen und für eine kurze Spanischlektion und ziehen weiter. Es geht, wie sollte es anders sein weiter bergab.
Langsam graut mir vor dem Aufstieg. Ich habe nicht gezählt aber es waren sicher 1000 Stufen mehr als mir lieb sind. Insgesamt sind es 5 Fälle und zu jedem geht es weiter und weiter und weiter runter. Beim letzten Fall dann die Bestätigung. Eine Sackgasse. Es geht den gleichen Weg wieder zurück. Das es hart wird, weiß ich jetzt schon. In Gedanken plane ich schon die Etappen und mehrere Camps um den 4 tägigen Rückweg zu meistern und frage mich wie ich da wieder hoch kommen… Zumal der steile Zugangsweg noch hinzukommt. 300 Höhenmeter auf 600 Meter Weg hat das GPS nur für die Route vom Sammeplatz bis hierher aufgezeichnet.
Nützt ja alles nichts – jetzt heißt es kämpfen und das gute Wetter kurz verfluchen. Es dauert keine Minute da schlagen die vier Zylinder bis ins Stammhirn – so kommen wir heute nicht mehr an….die ungleichen Höhen der Treppenstufen machen das Workout perfekt. Ein Lorca soll schwimmen nicht klettern, denke ich mir und nehme mir vor, das bei der Reiseleitung einzukippen.

Es dauert ewig bis zum vierten Wasserfall. Der schlimmste Teil ist geschafft. Der Kreisluaf bläst die Symphonie der Vernichtung. Atme Junge, hier umkippen heißt eine Ewigkeit auf Ärzte warten, also zur Ruhe kommen und die nächste Etappe in Angriff nehmen.
Stück für Stück kämpfen wir uns zurück – wobei kämpfen tu nur ich, Karo scheint putzmunter. Bei der nächsten Pause habe ich es allerdings überraschend eilig weiterzukommen:

Das Spinnen und ich nicht gut harmonieren ist kein Geheimnis, ich glaube aber kaum, was ich in einer der Rasthütten direkt über meinem Kopf sehe: eine Banannenspinne, auch die bewaffnete Spinne genannt. Ich kenne sie so genau, weil das eine der gefährlichsten Spinnen Zentralamerikas sein soll. Ein Biss kann tödlich sein und nur bei schneller ärztlicher Versorgung nicht den dramatischen Weg von Impotenz und was weiß ich nicht noch alles – halt bis hin zum Tod gehen. Jetzt ist es schwer zu trennen ob der Puls wegen der Kletterei oder wegen ihr in der Brust wummert…. Sitzen? Da? Nein. Auf und einige Meter enfernt ausruhen.

Diese Begegnung macht mir Feuer unter dem Arsch. Adrenalin ist was feines, die nächsten Etappen sind anstregend aber weit weniger als gedacht. Einen Trainingseffekt schließe ich aus.

Nach gefühlten Stunden kommen wir wieder oben an. Ich gieße eiskaltes Wasser aus einer Flasche über den Kopf und habe mich nie so sehr über eine Abkühlung gefreut. Wir gehen zur Rezeption und setzen uns zu den beiden Angestellten, die inzwischen Besuch bekommen haben und wohl nicht aufgehört haben zu trinken. Eine ausgelassen Zusammenkunft, die viel Lebensfreude ausstrahlt. Wir freuen uns, dass wir reisen, wie wir reisen, denn als Standardtourist hätten wir diese Erfahrung sicher nicht gemacht. Noch ein paar Wochen und wir scherzen mit Ihnen, machen wir uns über unser zwar besser gewordenes aber immernoch bruchstückhafte Spanisch lustig. Als Belohnung gibt es ein Imperial, erst zum kühlen an den Hals halten dann in den Hals spülen. Pura vida.