Volcano Arenal und ein herzliches Wiedersehen

Ein letzter Ausflug in der Gegend des Sees Arenal steht an. Der Vulkan – ja der Vulkan Costa Ricas. Bis ihm vor einigen Jahren ein Zacken aus der Krone brach, war er einer der drei schönsten Vulkane weltweit und ist nach wie vor eines der Wahrzeichen des Landes. Das Schloß Neuschwanstein oder der Kölner Dom Costa Ricas so zu sagen. Von unserer Cabina sieht man ihn nicht, aber er ist einer von drei Vulkanen, die man vom Grundstück auf dem unter anderem unsere Cabina steht, sieht. Meist ist er verhangen – besonders in der Regenzeit… oder das was man hier Regenzeit nennt. Erika beschreibt das Wetter als Winter, wir müssen darüber herzlich lachen, denn das Wetter ist traumhaft. So auch heute.

Wir beginnen den Tag um 05.30 Uhr mit einem wahnsinnigen Ausblick. Ein malerischer Sonnenaufgang und ein schon morgens sichtbarer Vulkan Arenal. Beste Voraussetzungen für den heutigen Tag. Schnell die letzten Reste frühstücken – leider macht Erika erst um 08.00 Uhr Frühstück, aber für einen Tag schaffen wir es darauf zu verzichten.

Um 07.15 Uhr steigen wir in den Bus – eine Fahrt von etwa 2 Stunden liegt vor uns. Wir sitzen ganz hinten – endlich Beinfreiheit, für die wir allerdings einen Preis zahlen und damit meine ich nicht die knapp 6000 Colones (ca 10 Dollar oder 8 Euro). Die Strecke kennen wir eigentlich schon, aber so wie der Bus heute schaukelt, hat man eher das Gefühl auf einem Boot in Seenot oder einem Katapult zu sitzen. Wir werden ordentlich in alle Richtungen durchgerüttelt. Ich denke an die Rückfahrt als wir getrampt sind und mache mir ein wenig Sorgen, ob die Akupressur-Armbänder Karo helfen. 2 Stunden sind die magische Grenze. Die Aussicht ist wie immer traumhaft. Der See erstreckt sich vor uns und alle paar Kilometer gibt der Waldrand eine phantastische Sicht frei. Das Wetter stimmt – wir haben alles richtig gemacht bis heute zu warten.

Auf dem Hinweg lerne ich bereits den Satz auswendig, mit dem ich beim Fahrer erfahren will, wann denn an der Stelle an der wir aussteigen, der Bus zurück nach Tilaran fährt. Mir gelingt ein Meisterwerk in, wie es ein Kommentar treffend bezeichnete, Pigdin-Spanisch. Eine Stunde später kann ich ihn endlich aufsagen:

„Cuando salamos los buses de aqui a Tilaran en la tarde?“, sage ich. „De aqui…..“, er nimmt die Finger zum Rechnen. “ Aproximadamente cinco quarenta.“ Ein Moment des Stolzes durchfährt mein Belohnungszentrum, den dieses unaussprechliche Wort habe ich vorher ebenfalls nachgeschlagen, um ihn weniger Ausweichmöglichkeiten zu geben. Von hinten ertönt ein „Five fourty“ eines amerikanischen Touristen. Muchas gracias senior zum Fahrer, ein Thank you zum US-Gringo.

Der Weg zum Park Vulcano Arenal zieht sch über 2 km staubige und unebene Straße. Die Knochen freuen sich über jeden Schritt und die Atemwege über jedes Fahrzeug dass an uns vorbeibrettert und uns in einer rieisgen Staubwolke zurücklässt. Die Zähne knirschen und die Ausdrücke für die „rücksichtsvollen“ Fahrer sind zahlreich und blumig.

An der Rezeption werden die üblichen Fragen gestellt: spanisch oder englisch, woher wir sind und so weiter. Für 10 Dollar können wir den Rundweg betreten. Wir entscheiden uns für den kürzeren mit dem Namen „Lavatrail“ – klingt spektakulärer und enttäuscht uns nicht.

Der Arenal ist die ganze Zeit unbedeckt. Man sieht Rauch aus ihm aufsteigen – oder es sind nur Wolken, wir können es ehrlich nicht sagen und unsere Expertise ändert sich je nach Perspektive. Ein tiefes Grollen… nein nicht der Vulkan nur der Magen. Vor einigen Jahren war er noch richtig aktiv und man konnte ihn hören, bei unserem Besuch zeigt er sich also lieblich.

Wir bewandern einen Pfad durch ein Lavafeld, das Lavafeld das vom großen Ausbruch 1968 übrig blieb. Naja übriggeblieben ist nicht treffend. Ein Gebiet von einigen Kilometern Umkreis ist mit Lavaflüssen und richtig großen Steinsbrocken unbewohnbar. Dieser Ausbruch hatte es richtig in sich, dass sieht man noch heute und über allem thront der Vulkan Arenal majestätisch fast göttlich.

Faszinierend an dem Gebiet ist, wie die Natur das Gebiet zurückerobert. Die Gesteine sind bewachsen und wirken nicht mehr in Ansätzen so bedrohlich wie sie vor fast 50 Jahren mal waren. Die Aussicht ist wie immer atemberaubend.

Nach 1,5 Stunden kehren wir zurück, und stellen fest, dass wir nicht im empfohlenen Park waren. Nicht schlecht wir Helden. Es gibt also einen Grund warum wir so angenehm vom Preis überrascht sind, es ist nicht die offizielle Observatoria Lodge, kein Wunder das alles so leer ist und die Touristenbusse nicht zu sehen sind. An der Rezeption fragen wir noch mal nach Bussen und erfahren, dass in einer Stunde einer fahren würde. Schnell wird das Proviant aufgefüllt, denn das Wasser ist bereits leer und die Sonne brennt unerbittlich. Auf dem Weg haben wir es dank des Windes nicht bemerkt, aber jetzt.

Wir laufen den Weg zurück zur, der mich an die Szene aus „fear and loathing in Las Vegas“ erinnert, als Jonny sein Glas zuhalten muss, damit es nicht, wie es dann doch passiert, zu Bierschlamm wird. An einer Polizeistation finden wir ein Dach zum Schutz und eine Bank für die müden Beine. Ein wenig schräg ist das Häuschen schon, offenkundig verlassen, die Fenster allerdings offen und eine Zelle hat dieses winzige Gebäude auch. Wer immer hier inhaftiert wird, hat keinen Spaß. Die Sonne knallt den ganzen Tag in den Raum, der keine Fenster sondern nur Gitter hat. Verrückte Ticos.

Zwei Flaschen Wasser später kommt der Bus. Wir müssen unweigerlich lachen. Der Busfahrer ist unser erster einheimischer sozialer Kontakt. Eine herzliche Seele, die immer strahlt und ganz besonders, wenn wir einsteigen. Normalerweise fährt er uns runter ins Dorf oder zurück hoch zu den Cabinas, heute mal die lange Tour. „Olla senior. Dos billetos a Tilaran.“ „Ok!“ antworter er im perfektem Pigdin-Englisch. Wir strahlen uns an, wir runden den Fahrpreis auf und freuen uns mit unserem Lieblingsbusfahrer nach Hause zu fahren – richtig witzig wird es, als wir 1 Stunde später mit Einkäufen bepackt und nach unserem ersten Sodabesuch wieder vor ihm stehen. Schade das wir die Gegend bald verlassen, ich gestehe ich fühle mich hier ausgesprochen wohl.