Auf dem Weg zum Nationalpark Vulkan Tenorio

Nachdem wir viele schöne Tage in der Gegend von Tílaran verbracht haben, wird es nach Karos Meinung Zeit für einen Ortswechsel. Die Sachen sind gepackt und wir sind bereit die Komfortzone erneut zu verlassen. Der Plan ist es, sich zum Nationalpark Tenorio durchzuschlagen. Ein Bus fährt bis zum Dorf Bijagua, von dort müssen wir weiter sehen. Unsere Cabina ist einen Kilometer vom Eingang des Nationalparks entfernt.
Die Busfahrt bis Cañes ist unkompliziert, dort steht für uns der Umstieg an. Wie immer braucht es einige Augenblicke bis man sich orientiert hat, jeder Bahnhof hier war bisher anders organisiert. Wo man bezahlt, also ob am Schalter oder beim Fahrer, hängt davon ab, ob es eine Überlandfahrt oder eine regionale Fahrt ist. Bei Überlandfahrten, die man als Gringo so nicht einfach erkennt, zahlt man am Schalter, so viel wissen wir mittlerweile. Steigt man der Strecke zu oder ist es eine regionale Fahrt, zahlt man beim Fahrer – der Preis variiert und ist gelegentlich auch vom Ermessen des Fahrers abhängig.
Der Bahnhof Cañes ist ein merkwürdiger Ort. Zum ersten Mal sehen wir Bettler – San Jose ausgenommen – und das Chaos ordnet sich nur sehr langsam. Wir kaufen ein Ticket am Schalter und stellen uns viel zu spät an. Als mehr oder weniger letzte Fahrgäste steigen wir ein und haben Mühe einen Platz zu finden – vor allem die Rucksäcke sind schwierig zu verstauen.
Dank GPS finden wir zielsicher die Stelle wo wir aussteigen wollen, um Geld abzuheben und hoffentlich im „Stadtzentrum“ ein Taxi zu finden. Bank – check. Geld abheben nur bedingt. Meine Karte spuckt nicht so viel aus, wie ich gerne hätte. Wird schon…
Das Stadtzentrum entpuppt sich als Hauptstraße einer Siedlung und vielleicht 200 oder 500 Einwohnern. Einen Taxistand sucht man vergebens. Informationen wo wir die Unterkunft finden, müssen wir uns erabeiten. Wir sind in einem Teil Costa Ricas wo Englisch nicht besonders verbreitet ist. Wir fragen uns durch und können nur erahnen was man uns mitteilt. Einen jungen Mann versteht man besonders gut, spräche man auch gut Spanisch. Er zeigt zu der Kreuzung von der wir kommen „Calle“ zeigt nach rechts un kilometro und zeigt wieder nach rechts und sagt ocho nueve kilometros… Das war nicht was wir hören wollten. Mit den Rucksäcken neun Kilometer laufen, wird ein hartes Stück Arbeit. Wir gehen die ersten hundert Meter und Gott sei Dank hällt uns jemand an. Er spricht kein englisch aber so vereinfacht, dass wir ihn verstehen und er uns. Er versucht ein Taxi zu rufen und schickt uns zurück zur Bäckerei. Dort würde es jemanden geben, der uns ein Taxi ruft. Da es die einzige Hoffnung ist dem Fußmarsch zu entgehen, gehen wir die Strecke in Richtung Bank zurück. In der Bäckerei wird uns tatsächlich geholfen. Ein Pickup oder besser sein kleiner Bruder hält und die Verkäuferin zeigt uns das internationale Zeichen für Ok. Wir werfen das Gepäck auf die Ladefläche ohne auf den Regenschutz zu achten, da 8 Kilometer zu fahren so lange ja nicht dauern kann.
Der Wagen ist megaklein. Wir passen nur mit Mühe und Not in den Wagen. Karo sitzt dem Fahrer und mir halb auf dem Schoß. Ich mache keine Szene, für kurze 8 Kilometer wird es schon gehen. Dann kommt die Überraschung. Die Straßen bisher waren miserabel, die Straße kann man nicht mal mit Phantasie Straße nennen. Es ist eher ein „ausgetrocknetes“ Flußbett. Wenn wir bisher durchgerüttelt wurden, dann ist das der Schleudergang des Autofahrens. Ich bin froh, dass wir so verkeilt sitzen, denn sonst würde man auf dem Platz nicht sitzenbleiben. Ein wenig Sorge macht die Tür und ich hoffe sie springt nicht auf und das Auto spuckt mich in das Flußbett. Der Fahrer muss ordentlich arbeiten. Er wechselt ständig die Spur und den Gang. Er schaltet immer zwischen dem ersten und zweiten Gang hin und her. Mehr geben der Straßenzustand, die Steigung und Karos linkes Bein, das nur an der Stelle verweilen kann wo er den dritten Gang einlegen würde, nicht her. Er meistert die verzwickte Lage wie ein Gentleman.
Unser Fahrer ist ein Engel von einem Menschen. Alle drei sind bemüht mit Smalltalk die Fahrt zu überbrücken. Woher wir sind? „Ahhh championes de monde de football.“ „Si“, sage ich stolz. „Pero costarica estaba muy muy bien.“ „Si.“, sagt er ebenfalls sehr stolz – zu Recht. Wir sehen Tiere – also eigentlich eher der Fahrer und er zeigt sie uns – wir schlagen ihr Namen in unseren Sprachbüchern nach und erzählen von unserer Begegnung mit dem Puma. Ein Schild sagt uns das die halbe Stunde gerade gereicht hat um 4 Kilometer zurückzulegen. Na das wird ja was.
Wir werden eine Stunde durchgerüttelt und geschüttelt. Das Gepäck liegt im strömenden Regen – man sollte erwähnen hier ist gerade richtige Regenzeit. Richtige Regenzeit meint es regenet wie aus Kübeln vor allem auf unser Gepäck. Jetzt zeigt sich ob die Rucksäcke Wasser abhalten.
Nach etwa einer Stunde kommen wir an und uns erwartet ein lieblicher Ort. Es gibt ein überdachten Essbereich, der nach allen Seiten offen ist. Tolle Blüten und viele Pflanzen sind saftig grün. Leider ist das Internet so schwach auf der Brust, dass es nicht für den Upload von Bildern reicht. Es gibt einen Hofpapagei, der sich die Lache einer Frau und das Geschrei eines kleinen Kindes angeeignet hat und eine herzliche Gastgeberfamilie. Die Großmutter kocht und strahlt, ihr Tochter bedient und der Großvater ist der Wächter über das Reich. Unser Wunsch comidas sin carne wurden sofort ohne wenn und aber aufgenommen. Das Essen ist ausgezeichnet und mit viel Liebe zubereitet gibt es für uns Gallo Pinto, Gemüse, Salat und eine große Kanne Fruchtsaft. Ich will die Großmutter mit nach Deutschland nehmen, Karo zögert noch! Ich will wohl zu viel mitnehmen. Jeder zweite Hund ist zu süß zum hierlassen und zugegeben die Großmutter würde ins Handgepäck passen, aber ich denke sie fühlt sich in ihrem Paradies zu recht sehr wohl.
Unsere Cabina ist süß aber spartanisch, ein leichter Geruch von Erde lliegt im Raum, aber es ist sauber und völlig angemessen. Wieder brauchen wir keine 5 Minuten und die Cabina einzunorden. Dieses Mal verteilt sich Karo in alle Ecken und hängt ihre Sachen auf – ihr Rucksack ist wohl nicht besonders wasserabweisend…vielleicht hätte ich ihn aber auch mmit dem Regenschutz nach oben auf die Ladefläche legen sollen.