Nationalpark Vulkan Tenorio

Unsere Befürchtungen bei Anreise bewahrheiten sich über Nacht. Es hat sich eingeregnet. Ich zitiere aus meinem schlauen Reiseführer: „In der Regenzeit kann es manchmal tagelang durchregnen“. Das tut es also nun auch, es regnet ununterbrochen. Es ist eigentlich überhaupt nicht schlimm, da es angenehm warm ist und sich die Umgebung irgendwie „frisch“ anfühlt. Durch eine sehr galante und diskrete Manipulation („Ich gehe in den Park, egal bei welchem Wetter, notfalls auch ohne Dich“) freut sich nun auch Marcel sehr darauf bei strömenden Regen den berühmten Rio Celeste aufzusuchen. Endlich können wir unsere Wanderschuhe und den Regenponcho auspacken und bereit legen – die Wanderschuhe zählten zwischenzeitlich zu den Dingen, die wir hätten zu Hause lassen können. Wie schnell man seine Meinung doch ändern kann.
Beim Frühstück lernen wir Dana und Carmen kennen, ein kandisches Paar. Wir erzählen ihnen stolz, dass wir 2 Monate hier sind und bekommen das übliche Kommentar: die Deutschen haben aber viel Urlaub. Danach erwähnen beide Ihre Reisedauer, sie befinden sich auf einer einjährigen Weltreise zur Feier seiner Rente und werden in einer Woche weiter nach Nigaragua ziehen. Wir sehen ein wenig alt aus und beglückwünschen beide sehr ausgiebig für diese tolle Reise und schleimen natürlich auch angemessen, dass man ihnen das Alter nicht ansieht – und das stimmt wirklich. Beide laden uns binnen 3 Minuten dazu ein, mit Ihrem Auto zum Eingang des Parks mitzufahren. Ich habe extra eine Unterkunft raus gesucht um ausnahmsweise einmal zur Attraktion laufen können – vermutlich eine Laune des räudigen Schicksals.
Wir besuchen bestens gelaunt den Park und kämpfen uns durch tiefen Schlamm und einige Höhenmeter zum Rio Celeste vor. Wir müssen ein wenig schmunzeln wie einige Touristen versuchen ihre neuen, sauberen, pink-farbenen Turnschuhe nicht schmutzig zu machen. Versuchen kann man es ja mal. Die Aussichtstürme können wir getrost links liegen lassen, es ist so neblig, dass man eh gar nix sieht. Als wir zur Hauptattraktion des Parks kommen, sind wir leider etwas ernüchtert, der berühmte Rio Celeste ist nicht wunderbar türkis-blau, sondern schlammig, auf Grund des Regens. Das ist etwas schade, dennoch kann man grob erkennen an welcher Stelle aus der normalen Flussfarbe das wunderschöne türkis-blau wird. Auf Grund irgendwelcher chemischen Prozesse entstehen an einer bestimmten Stelle Dingsbums-Kristalle die eben blau reflektieren, wir haben die Infotabel nicht sehr aufmerksam gelesen… Auf Grund des Regens haben wir die Kamera in der Cabina gelassen, dass bereuen wir ein wenig, dafür macht Dana ein paar Fotos und verspricht uns, diese per E-Mail zukommen zu lassen. Bis dahin muss dieser Beitrag unbebildert bleiben.
Nach ca. 3 h kommen wir sehr durchnässt und glücklich zur Unterkunft und genehmigen uns eine „heiße“ Dusche. Die Dusche ist mit einem elektrischer Durchlauferhitzer ausgestatten, dieser hat direkten Einfluss auf die Helligkeit der Glühbirne im Zimmer. Wir lachen und verifizieren diesen Zusammenhang wie kleine Spielkinder natürlich noch ein paar mal, bevor wir uns dann unter das kleine warme Rinnsaal stellen, denn der Wasserdruck reguliert hier die Temperatur.
Zum Abendessen treffen wir Carmen und Dana wieder. Die Beiden sind Vollprofis und haben genug Alkohol für eine halbe Armee mit. Sie spendieren uns Wein aus ihrem reichhaltigen Fundus und wir stoßen an. Beide haben einen sehr tollen Humor und wir unterhalten uns ziemlich lange über Ihre Heimat Kandada (wunderschön) und über unsere Heimat Deutschland (auch wunderschön). Sie sind sehr interessiert an unserer deutsch-deutschen Geschichte und wir versuchen Ihnen ein wenig das Verhältnis zwischen Ost- und Westdeutschland zu erklären. Wie nicht anders zu erwarten, benötigt Marcel nicht sehr lange den Kanadieren bei zu bringen, wie man sich über Ostdeutsche lustig macht. Das antizipieren sie wirklich schnell – vielleicht hätte ich nicht selbst lachen sollen…
Wir beschließen das ursprüngliche Vorhaben nur 2 Nächte zu bleiben durch zu ziehen, der Regen verzieht sich zwar über Nacht ein wenig, es scheint uns aber dennoch sehr verhangen und neblig.
Wir haben uns vor Aufbruch der Reise dazu entschieden immer die nächste Unterkunft aus der alten Unterkunft zu reservieren, damit wir am Ankunftsort nicht so viel Nervenkrieg ausgesetzt sind. Zum ersten Mal hat unsere auserwählte Unterkunft keine Internetadresse und wir müssen die Rezeption bitten für uns zu reservieren. Plan ist es, von Bijagua aus mit dem Bus nach Upala und anschließend weiter nach Caño Negro zu fahren. Das nun folgende Gewusel ist Filmreif! Marcel müht sich mit unserem Sprachführer ab und man ruft für uns auch an, leider ist die Nummer aus dem Reiseführer tot. Weiter kommen wir nicht mit unserem spanisch, den weder werden wir verstanden noch verstehen wir was. Nach einiger Verwirrung wird der Bruder heran zitiert – der kann Englisch, wir sind erleichtert und er gibt sich alle Mühe ein anderes preisgünstiges Hotel in Caño Negro mit Hilfe seiner Facebook-Kontakte und seinen vier Handys zu reservieren. Dies gelingt dann gut, nur um festzustellen, dass vermutlich kein Bus mehr nach Caño Negro von Upala aus fährt. Planänderung! Wir müssen einen Zwischenstopp in Upala machen. Also Reservierung wieder ändern. Mit einer Engelsgeduld und unglaublich viel Herzblut kümmert sich Ilias auch noch einmal darum und dann sind wir gut eine Stunde später endlich bereit zum Aufbruch…
Als wir losfahren, ist es weniger neblig und man kann die Sonne erahnen. Kurz zweifeln wir, ob es die richtige Entscheidung ist, abzureisen. Dieses Verhalten ist wohl auch typisch für die Eifel, bei Aufbruch wird das Wetter schön – zumindest wurde uns dies so berichtet.
Dana und Carmen fahren uns die 9 km Schotterpiste zum Ort Bijagua runter und wir nehmen euphorisch Abschied von einander, setzen uns in das Bushäusschen und warten. Nach einigen Minute kommen die beiden zurück: We have changed our plans! Wir packen wieder alles ein und bekommen eine exklusive Fahrt nach Upala. Wir suchen uns ein Hotel aus und lassen uns das Zimmer zeigen, Dana und Carmen schauen sich auch noch alles genau an und kurzzeitig hoffen wir, dass sich beide noch dazu entscheiden auch hier zu bleiben. Das tun sie dann leider nicht und fahren weiter zur Küste. Wir planen in ein paar Tagen ebenfalls in die Richtung zu fahren und hoffen beide wieder zu sehen.