Caño Negro – ein Paradies für prähistorische Mücken, Reptilien und Lorcas

Bereits als wir das Dörfchen Caño Negro mit dem Bus durchfahren haben – Dorf meint hier 15 Häuser und 4 Lodges – war klar, dass wir hier absteigen würden. Im Vorbeifahren sah es aus, wie ein Paradies mitten in die Natur eingelassen und vor allem sah es von außen sehr gepflegt aus. Wir sind mit dem Bus eine gutes Stück vorbeigefahren und haben uns zu Fuss auf den Weg zurück gemacht. Eine andere Lodge erregt auch unsere Aufmerksamkeit und wir gehen verhandeln üben. Startpreis ist 140 $ pro Nacht. Ordentlich gesalzen. Die Vorzüge werden aufgezählt und sie sind zahlreich und vielversprechend. Aber zu teuer für uns. Gut das man Englisch spricht, so fällt es mir leichter den Preis zu drücken. Die Argumente, die ziehen, sind mehrere Nächte zu bleiben, bar und in Colones zu zahlen und unser Zögern als wir den vorläufigen Preis hören. Am Ende stehen wir bei 105 $ – ja in Dollar obwohl wir in Colones zahlen wollen, so bleibt mehr Raum für Umsatz durch einen frisierten Umrechnungskurs… Mit dem Ergebnis zufrieden mit dem Preis aber nicht 100%ig ziehen wir weiter und versprechen zurückzukommen, wenn wir nichts anderes finden.
An der Rezeption der eigentlich ersten Wahl kommt wieder unser Pigdin-Spanisch zur Geltung: „Tiennen una habitacion por dos con baño?“ „Si!“ „Puedo ver la habitacion?“ Si! Auf geht es zur Besichtigung. Die Anlage des „Hotel de Campo“ ist wunderschön, gepflegte Wege und alle Häuser wirken wie neu. Die Räume und Häuser sind sehr sauber und in bestem Zustand. In den Augen von Karo sehe ich das gleiche, wie sie es in meinen sehen sollte – wir wollen hier bleiben. Während Karo sich überlegt in welchem „Bungalow“ sie unterkommen möchte, starte ich die Verhandlungsoffensive. 85$ ist der Ausgangspreis. „Hay descunta para enstancias de tres noches?“ Sie zögert. Ich hoffe sie hat mich verstanden. Ja hat sie, sie zückt das Handy öffnet den Taschenrechner und tippt eine Zal ein. 75$. Guter Preis, wir besprechen uns und ich drehe mmich wieder zu ihr. Ich atme schwer durch die Nase. „Un poco mas descuenta?“ Sie löscht die Zahl tippt 70§ ein. „Si. Esta bien!“. Gekauft. Oberste Schmerzgrenze erreicht, das hier wird die Etappe Luxussanierung von Lurchaibel. Wir fühlen uns als die Könige der Nebensaison, bei Vollauslastung wäre das undenkbar. Ein Hoch auf die Regenzeit. Apropos Regenzeit. Das heißt hier 3-4 Schauer von 10 Minuten am Tag. Die Temperatur ist selbst wenn es bedeckt ist bei knappen 30 Grad und es reicht um im Pool einen Ansatz eines Sonnebrandes zu bekommen.

Das Kapitel Unterkunft ist geklärt, jetzt fehlen nur noch die Reptilien, die Mücken und die Loase (Lurcheibel-Oase). Die Anlage hat einen süßen aber völlig ausreichenden Pool und wir beschließen ihn voll auszukosten. Also wird der Lorca und seine Holde in den den Fluten des Pools ausgewildert. Nur zum Essen kommt er zurück an Land und es werden die zwei Sodas des Dorfes erkundet. Typisch für die Ticos ist Gallo Pinto – Reis mit Bohnen. Zu jedem Essen in unterschiedlichen Varianten. Entweder gibt es sie durcheinander oder getrennt, dann sind die Bohnen in einem dunkelen Sud. Dazu gibt es je nach Region und Soda Salat mit Limone, gebratene Banane oder ein Gemüsedurcheinander, Weizenfladen oder Pappas frittas – was deutschen Pommes ähnelt. Die Preise sind unschlagbar günstig und für 4.000-6.000 Colones isst man gut und reichlich – in Restaurants zahlt man gerne das doppelte bis dreifache. Wichtig ist, das Getränk sin hielo – also ohne Eis zu bestellen – da es wohl oft verunreinigt ist.
Auf der Anlage gibt es eine Saftbar und ich verliebe mich unsterblich in die Bio-Früchte vom eigenen Hof. Der Schweizer Besitzer hat sich eine riesige Anlage mit einer Art Selbstversorgung geschaffen. 12 Säfte mit zum Teil unaussprechlichen Namen und noch unbeschreiblicheren Geschmack werden angeboten. Cas, Tamarindo, Pina und Marañon sind die bisherigen Favoriten. 2$ pro großem Glas, dafür steht ein deutscher Saftbarbesitzer nicht mal auf und hier werden sie frisch gemixt.

Es soll nicht nur entspannt werden und so nehmen wir an einer Tour auf den Río Frío teil. Eine Tour, um die hiesige Flora und Fauna zu bestaunen und es wird einiges geboten. Die tiefergelegten Boote hängen ordentlich durch – vor allem wenn ein Lorca an Bord ist. Die Niederländer, die mit uns die Tour machen verstummen kurz, als ich das Schiff betrete und das Boot einseitig durchhängt. Wir arrangieren uns und die Reling hat zum Ende 10 cm Raum zur Wasserkante. Am Vorabend haben wir bereits an der Anlegestelle einen Kaiman fressen sehen. An ihn denke ich als erstes, als wir in der schaukeligen Nussschale sitzen. Ich vertraue darauf, dass er vor uns mehr Angst hat als wir vor ihm, dann müsste es passen. Von nun an sorgt der ambitionierte 3D-Fotograf für eine schauckelige Schifffahrt. Er klettert wie eine Gemse durch das Boot und ist für sein Alter ausserordentlich agil.
Die Tour beginnt mit unzähligen Vögeln. Die Farben und Formen kennen keine Grenze. Strahlendes Rot am ganzen Körper, Flecken die nur beim Balzen auftauchen, strahlendes Ganzkörperweiss, Vögel so dunkel wie die Nacht, türkis, Irokesen, winzig kleine und beingroße Vögel. Man merkt das man hier auf die Natur achtet. Von Papageien über Kingfisher, Reier, Komodo-Dingsbums und und und.
Highlights sind aus meiner Sicht die Reptilien. Einige Leguane (sind das Reptilien?) hängen eierschauckelnd in den Baumkronen. Ganz recht nicht auf den großen und unteren Ästen, nein ganz oben suchen sie nach Sonne und Schutz. Vor was sie Schutz suchen sehen wir bald. Der kleine Kaiman ist nicht alleine in den Gewässern und er hat eine ansehnliche Gang von großen Brüdern und Cousins. An nicht alle fahren wir nah ran, für uns kaum ersichtlich, aber einige der Tiere sind gefährliche Krokodile, die anderen, die Kaimane, sind die Schwimmfreunde der hier lebenden Kinder. Ist klar. Für kein Geld der Welt würde ich hier schwimmen gehen.
Eine kleines Minihighlight ist eine Siedlung von Vögeln. Die ganzen Baumkronen sind voll, genau wie der Himmel und wir bekommen die Antwort auf die Frage warum das Boot ein Dach hat. Wir nehmen volle Deckung, denn die Vögel kacken am laufenden Band runter in den Fluss und auf die Krokodile… und auf Bootsdächer.

Im Garten des Besitzers hat der Herr nicht nur sein Obst sondern auch einen kleinen Trail durch einen echten unberührten Urwald. Wir sind eingeladen dort eine Runde zu drehen. Man hört den Pfeilgiftfrosch an jeder Ecke quarken, allerdings machen sie sich einen Spaß daraus uns anzulocken und dann untergetaucht zu sein. Ich warte weiter auf ein Bild dieser süßen aber hochgiftigen Amphibien. Man sagte uns, dass ein Riss in der Haut reicht, um durch eine Berührung an der entsprechenden Stelle zu sterben. Irgendwie surreal, das einen so ein kleines Etwas umgehend töten würde. Der Wald bietet das gewohnte Bild, man hört, sieht aber keine Tiere. Ach doch, die beliebsten Tiere unter der Sonne sind reichlich da. Es gibt unzählige und große Spinnen, für die sind wir aber nicht hier. Körper so groß wie Finger und schon schüttelt es mich. Nach zwei Stunden in denen uns die Mücken trotz Deet belauert haben, müssen wir umkehren, denn die ersten Anzeichen sprechen dafür, dass das Deet nachlässt. Die Mücken hier sind wie der Titel schon sagt prähistorisch. Ein Stich macht eine Beule wie bei einem Wespenstich. Man kann ganz besonders Abends nicht und in bestimmten Teilen der Region nie ohne Deet aus dem Haus.

Das Deet nicht nur gegen Mücken gut ist stellten wir bereits in Tenorio fest. Hier wenden wir unser Wissen eines Abends bei der Begegnung mit einer Killerkackerlake an. Das Vieh war ungelogen daumengroß, die Beine kommen extra hinzu, und sie ist so schnell wie Speedy Gonzales oder der Roadrunner. Wir bemühen uns kein Tier zu töten und so machen wir uns auf die Jagd nach diesem eigentümlichen und auch genauso dummen Tier. Sie unter einem Glas zu fangen scheitert an ihrer Schnelligkeit, also wird Deet verwendet. Wichtigste Erkenntnis ist, sie mag es ganz und gar nicht, dumm nur, dass sie durch das Deet hinter die Gardine verschwindet und ihren Rausch ausschlafen will. Also geht die Jagd weiter. Gott sei dank ist sie irgendwann so benommen, dass sie einfach von der Deck fällt und durch den Aufprall scheinbar wieder wach wird.
Sie rennt an der Wand entlang auf unsere Rucksäcke zu. Gott sei dank ist Karo geistesgegenwärtig und öffnet einfach die Tür und so kann die verwirrte Besucherin einfach rauslaufen. Tür zu und durchatmen. Eine Spur Deet unter die Tür gesprüht und wir fühlen uns in Sicherheit.
Karo öffnet die Tür und geht einen Schritt raus und zieht die Tür sofort ins Schloss. Das dumme Vieh ist an der Tür und wäre beinahe wieder reingekrabbelt. Wie kann man unsere unmissverständliche Art nicht verstehen und sich weiter willkommen zu fühlen. Wir sind getrennt und Karo auf sich allein gestellt. Was sie tut bleibt ihr Geheimnis, aber alle Beteiligten haben überlebt.
Heute wird das weitere Vorgehen geplant und geschwommen. Fleissig kommentieren nicht vergessen ;)