Liberia – vom Shopping und Friseurbesuchen in Costa Rica und einem Pazifikstrand

Man soll ja aufhören, wenn es am schönsten ist – am schönsten ist es wenn wir uns mühelos in der Gegend zurecht finden, die Sehenswürdigkeit des Ortes erkundet haben, die netten Damen in den Sodas uns wiedererkennen und wir endlich den Busfahrplan auswendig kennen – perfekter Zeitpunkt für den Aufbruch! Ich zwinge uns also wieder einmal bei wunderbarem Wetter und etwas wehmütig zum Ortswechsel. Die Wahl ob wir 6 Uhr morgens oder 13 Uhr mittags Caño Negro verlassen, fällt leicht, wir wollen ja noch frühstücken (ist ja schließlich bezahlt) und uns nicht hetzen. Also verlassen wir bestens gelaunt am Freitagmittag die Ortschaft um uns nach Liberia durchzuschlagen. Der späte Vogel hat natürlich seinen Preis, wir werden einen Übernachtungsstopp in Cañes einlegen, um weiter zu kommen.
Wagemutig und bei Einbruch der Dunkelheit suchen wir uns in Cañes ein preisgünstiges Zimmmer. Und wir werden nicht enttäuscht, das Zimmer ist sehr preisgünstig…und vermutlich die schlimmste Absteige, die wir hier jemals abbekommen haben.
Wir wissen inzwischen, dass man sich nach Einbruch in der Dunkelheit sehr wohl sicher und gerne draußen aufhalten kann – allerdings möchten wir dies ungern mit Sack und Pack tun, daher nehmen wir diese olle Kascheme.
Das Zimmer ist winzig mit zwei weniger vertrauenserweckenden Betten (wir nehmen unsere eigenen mitgebrachten Inlets zum schlafen), das „Badezimmer“ ist im hinteren Teil und wird vom Rest des Zimmers mit einem, nun ja, nennen wir es mal einen etwas massiveren einfachen Raumteiler getrennt. Hier noch Geheimnisse vor einander zu haben, fällt wirklich schwer.
Die Ankunft in Liberia am Samstagvormittag haut uns erst einmal fast von den Socken. Verbrachten wir bis jetzt unsere Zeit in den Hochebenen mit angenehmen Temperaturen um die 25 Grad, haben wir nun die heißere Tiefebene erreicht. Wir schwitzen und bemerken innerhalb der ersten 2 Minuten, dass uns die geeigneten Sommerhosen fehlen.
Wir beschließen also kurzer Hand nach Check in (Hotel, preisgünstig, schön und mit Pool!) die Stadt zu erkunden und auf große Shoppingtour zu gehen.
Liberia gefällt uns beiden sehr gut, eine kleine, nette, sympathische Stadt, die keine großen herunter gekommenen Ecken hat und auch nicht ganz so schlimm vergittert ist.
Unsere dicken, schwarzen und langen Hosen verfluchend, laufen wir also in der mittäglichen Affenhitze durch die Stadt und gehen in jeden Laden rein, der ungefähr nach Klamotten aussieht. Es gibt hier relativ wilde Sortimentszusammenstellungen, man kann hier im Elektrofachgeschäft zu seiner Waschmaschine, Fernseher und dem Sofa gleich mal für den Enkel noch ein Moped mit drauf packen. Sämtliche Läden sind auch hier im Weihnachtsfieber, es stehen Weihnachtsgebäck, Kunsttannenbäume, Girlanden, Lichterketten und Weihnachtsmänner (alles aus Plastik) bereit. Beim weiteren Stadtbummel stellt sich heraus, dass der Kram bereits von relativ vielen Menschen gekauft und aufgestellt / aufgehangen wurde.
Die Größenangaben für die Klamotten sind abenteuerlich, wir wenden also den guten Trick von Oma an und halten uns die Hosen an die Hüften, um den Umfang abzuschätzen Es zeigt sich, dass die Ticos nicht nur klein, sondern scheinbar auch sehr viel schmaler als wir sind. Nach gefühlten Ewigkeiten werden wir dann doch fündig und verlassen die Läden endlich mit leicht flatternden Hosen. Berauscht vom Konsumwahn beschließen wir beide noch zum Friseur zu gehen!
Wir finden einen netten Laden, der eine Mischung aus Nagelstudio, Kosmektikstudio, Friseur und Tratschschuppen ist und gehen rein. 3 nette gut gelaunte Frauen begrüssen uns, der Erstkontakt mit Hilfe einer symbolischen Schere am Kopf war leicht. Ein kleines Mädchen ist vor uns dran. Ihr wird der Kopf geschoren. Blitzeblank. Die Kleine schreit wie am Spieß, dem Loorch macht es das aber leicht. Mit verheißungsvollen Blick wird er zum Stuhl gewunken. So einen Waldschrat haben die Damen noch nicht frisiert. Er trippelt unsicher hin und zeigt auf das Mädchen und sagt:“ Yo tambien.“, dabei zeigt er auf den den Langhaarschneider und den gewünschten Aufsatz, zeigt auf Kopf und Bart und los gehts. Er überlebt, wenn der Schnitt auch nicht 100%ig seinem Wunsch entspricht und sieht nun auch wegen der gestutzten Augenbrauen endlich nicht mehr aus wie Rübezahl, sondern eher wie ein Mensch! Mein Haarschnitt erfolgt nach Vorlage in einem Buch für Frisuren und gelingt ebenfalls. Frisch geschoren lassen wir den Tag dann im Pool ausklingen.

Da die Busverbindungen zum Strand an der Pazifikküste hervorrangend sind, nutzen wir dies natürlich um Ausflüge zur Playa zu unternehmen und uns ausgiebig die Sonne auf dem Bauch, das Wasser an den Füßen und den Fruchtsaft im Hals gut tun zu lassen.

Wir haben zwei Strände ausprobiert. Der erste war in einer hübschen Bucht aber ohne Infastruktur – dass heißt keine Liegen, keine Bars und auch kaum Menschen. Eigentlich hübsch aber irgendwie haben wir uns nicht ganz darauf vorbereitet und außer ein paar Keksen, Erdnüssen und Wasser haben wir nicht viel mit. Da das Wetter auch nicht zu überragend ist, hält es uns nicht lange dort.
Der zweite Anlauf glückt uns viel besser und wir erreichen die Playa Harmosa… Malerisches Wasser mit einer Temperatur, die weder warm noch kalt ist und welches mit unaufdringliche Wellen auf den Strand brandet. So sieht also der Pazifik aus. Ganz ehrlich daran kann man sich gewöhen. Ein Ort zum Verweilen ist schnell gefunden. Bequeme Stühle und ein günstiger und unaufdringlicher Service laden uns zum Sonnenbaden ein. Ein Mega-Frucht-Cocktail aus Melone, Ananas, Erdbeere und genannten aber nicht verstndenen anderen eher exotischen Früchten. Eines ist sicher, die Cocktails waren pura Vida. Unser Kellner spricht stolz ein paar Fetzen Deutsch und wir die Fetzen Spanisch und schnell wird das Thema Fußball aufgegriffen. Pierre Littbarski und Jürgen Klinsmann hat er hier in Costa Rica live gesehen. Und er hat sich sehr gefreut, dass wir die Brasilianer so überrannt haben. Er nannte uns the machine und das wir wie Panzer über sie gerollt wären. Obligatorisch zu erwähnen, dass der Loorch sich  für die Siege gegen Italien und England und damit für das jeweilige frühe Ausscheiden bedankt hat.
2 Stunden, 5.000 Coloes – etwa 10 Dollar später beschließen wir den Strand abzulaufen und den Pazifik an die Haut zu lassen. Erst sind es nur die Füße aber die Sonne treibt uns ins Meer. Die ersten zwei Meter ist das Wasser trübe vom Sand, aber dahinter ist es bis zum Grund durchsichtig. Selbst wenn das Wasser Brusthoch ist, kann man den Boden sehen. Um die Sachen nicht aus den Augen zu lassen – davor und vor anderen schrägen Vögeln hat man uns in der Bar gewarnt – gehen wir abwechselnd ins Wasser. Die nächste Gelegenheit kommt noch, denn das nächste Ziel wird an der Küste liegen.
Dutzende Bilder, eine fischfressende Geiergruppe und einige amerikanische Rentnergruppe später kehren wir an unsere Plätze zurück und lassen uns in der Sonne trocknen.
Unser Kellner empfiehlt uns für den kleinen Geldbeutel ein paar fritierte Jucaastücke, also die Knollen der Juca-Pflanze… und Leute jetzt nicht die Pflanzen zu Hause schlachten, dass sind nicht die gleichen ;). Die Dinger sind aber in jeden Fall ein Knaller und sollten bei Verfügbarkeit probiert werden. Wie Kartoffeln mit einer besonderen Kruste nur irgendwie costarikanisch exotisch anders.
Wir nehmen den Bus zurück ins Hotel und es bleibt uns gar nichts anders übrig als das Salzwasser noch einmal mit einer Ladung Chlorwasser abzuspülen. Pura Vida.