Lorchicopter – Gyrocopterflug über den Playa Samara

Ein weiterer Kindheitstraum wird wahr – gut Kindheit ist nicht ganz richtig, aber als ich vor ca. 15 Jahren von Gyrocoptern erfuhr, wusste ich, dass ich sie geil finde, wusste ich, dass eines Tages der Tag kommen wird an dem ich mit so einem Teil fliege. Der Tag kam. Einen Tag vorher rang ich mit mir, ob ich das Geld wirklich ausgeben will, denn mit 130$ inklusive Transfer ist es für 20 Minnuten ein echt teuerer Spaß, aber ich konnte die Chance nicht verstreichen lassen. Schon Stunden bevor ich abgeholt wurde lief ich freudig bis nervös im Zimmer auf und ab und freute mich bereits im Voraus.

Endlich war es soweit, ich wurde zum Flugfeld gefahren. Dort angekommen wurde es zunächst witzig und missverständlich. Mir wurde gesagt, dass der Pilot aus Deutschland sei, ich war also wenig darauf eingestellt gleich spanisch zu reden. Auf dem Rollfeld war außerdem eine Art Erste-Hilfe-Werkstatt für Autos, die aus Flüssen befreit wurden und so kam es zu der Verwechslung, dass ich den Fahrer des abgesoffenen Autos für den deutschen Piloten hielt und er mich für den Typen von der Autovermietung, der seinen Wagen begutachten soll… So kann man Wartezeit auch überbrücken. Wie immer kennt der Amerikaner jemanden aus Deutschland denn er kürzlich besucht hatte. In diesem Falle jemanden aus Frankfurt – eine Stadt die über unsere Landesgrenzen extrem bekannt ist – wie kommen die immer auf Frankfurt am Main?
Dann ist es endlich so weit. Mein Pilot erscheint und wir wechseln schnell auf Deutsch und geben uns dem üblichen Smalltalk hin. Dann wird es beim Gurtanlegen intim. Meinen Spruch: „Das ist ja wie bei der Musterung.“, versteht er sofort richtig, zieht den Gurt überall noch mal richtig fest, lacht und antwortet: „Nur was jetzt kommt ist besser und du solltest besser…“ Ich kann mir ein: „Nicht ins Gläschen pinkeln?“, nicht verkneifen. Wir lachen beide. Das Eis ist gebrochen.

Es wird kurz ernster. Die Sicherheitsbelehrung. Nichts darf aus dem Fahrgastraum nach hinten wegfliegen, da sitzt der Rotor, wenn da was reinknallt, haben wir ein Problem. „Dann nehme ich die Dritten besser raus?“, frage ich. „Besser ist es.“, lacht er mich an. Mütze abnehmen, Fotoapparat mit Schlaufe befestigen etc. „Wie schwer ich bin?“ Ausweichend antworte ich: “ Mehr als 85 aber weniger als 150 kg.“ Die Antwort reicht ihm nicht, in der Luftfahrt würde etwas mehr Päzision nicht schaden. Nachdem er das Gewicht erfährt, nennt er mmich einen Brocken.
Das Einsteigen ist für jemanden meiner Größe nicht leicht. Am Boden sind Pedale, die ich laut Sicherheitsbelehrung entweder nicht berühre aber zumindest unter keinen Umständen blockieren soll – ich nehme mir vor mich dran zu halten. In der Mitte der Kapsel ist noch der Steuerknüppel. Auch denn sollte ich nicht blockieren, besonders bei Start und Landung wäre das hilfreich.

Endlich geht es los. Er startet die Maschine und erklärt mir, dass der Rotor nicht mit der Maschine verbunden ist, der Auftrieb kommt also von Thermiken. Die Maschine bleibt – zumindest eine Weile – oben, wenn die Maschine komplett ausfällt, ein Spanier hat vor über 80 Jahren diese Technik erfunden, verrückte aber beruhigende Idee.

Endlich geht es aufs Rollfeld. Da die Rotoren nicht mit dem Motor verbunden sind, wird wie ein Flugzeug gestartet. Finger weg von den Pedalen und dem Steuerknüppel und immer dafür Sorge tragen, dass er alles frei bewegen kann – leichter gesagt als getan, denn viel Platz ist für mich nicht in dem Sitzbereich. Wird schon und wenn nicht, werde ich mich nicht darüber beklagen können.
Er lässt das Teil durchstarten und gibt ordentlich Schub und zieht uns nach einem langen Anlauf auch endlich hoch. Eher gemächlich, denke ich gerade noch, da sagt er bestätigend noch, ich sei ein ordentlicher Brocken. Ne du, ein Lorca.

Wir fliegen ein paar Kurven. Ein berauschendes Gefühl, da die Kapsel komplett offen ist, pfeift mir der Wind ins Gesicht und den Rachen – es ist nicht so leicht den Mund geschlossen zu halten und es ist recht kalt. Unten am Boden war es trotz frühem Morgen 30 Grad und mehr, hier oben mit dem Wind sind es gefühlte 15 Grad. Das es sehr windig ist bestätigt mir der Pilot. Heute scheint ein Tag zu sein mit außergewöhnlich starkem Wind, was gerade in der Nähe der Klippen an der Küste Konsequenzen haben soll.
Die Aussicht ist unglaublich. Blauer Himmel so weit das Auge reicht. Blau-grünes Wasser bis zum Horizont. Ich sehe die Riffe und die Farbverläufe ganz genau und man sieht bis auf den Grund. Unglaublich.

Der Pilot weiß was er tut. Mit dem Gebirge muss man hier fliegen, lehrt er mich, denn dort sind die Aufwinde, hinter den Klippen passiert das Gegenteil. Er dreht einige cole Kurven indem er die Maschine fast um 90 Grad kippt. Danke Anschnallgurt, danke Saumagen. Ich spüre die Kräfte, wie sie auf mich wirken, ein geiles Gefühl – wie eine Achterbahn nur besser.
Er lässt uns ordentlich durchsacken und fliegt einen Fluss ab. Links und rechts das Ufer mit Baumstämmen – oder Krokodile, man kann es nicht wirklich unterscheiden, lässt er mich wissen. Eine Steilkurven später dreht er ab zum schönsten Strand der Gegend. Mel Gibsons Bucht. Eine traumhafte Anlage. Von wegen Geld macht nicht glücklich. Diese Anlage wird ein Vermögen kosten und ist ihr Geld wert. Eine Bucht wie gemalt – einziger Dorn in Mels Augen dürfte sein, dass es hier keine Privatstrände gibt. Sprich er musste einen 2km langen Pfad durch sein Grundstück laufen lassen, sodass jeder an diesen Strand kann.

Er fliegt aufs offene Meer und zeigt mir Mantaschulen – ganz ohne Fuchsschwanz und Verbrennungsmotor – die keine 100 Meter von badenden Menschen direkt am Strandufer auf Nahrungssuche gehen. Das Abdrehen, wie im Film, nicht vergessen. Hier noch ne Drehung dort noch ein Schlenker und wir sind auf dem offenen Meer.
Ich zeig dir mal was. Plötzliche Stille. Der Motor ist aus. „siehhste?“, höre ich es über den Bordfunk. „Keine Verbindung zum Motor und wenn man alles richtig macht, dann bleiben wir in der Luft.“, rauscht es ins Ohr. Er scheint alles richtig zu machen, denn wir bleiben in der Luft.
Die luftfahrttenschnische Einstufung als Brocken zeigt nun seine Relevanz. Normalerweise könnte er bei gutem Wetter bis auf 10 Meter runtergehen. Wellenreiten nennt er das. Aber meine Einstufung und der starke Wind lassen das heute leider nicht zu. Für mich ist das gut so, denn ich bin wegen der Aussicht hier.

Langsam geht es wieder zurück. Die Zeit ist teuer und der Trip nur kurz. Ich stelle viele Fragen zu den Lizenzen und den Kosten. Ich denke ich habe etwas gefunden, was mir für den Rest meines Lebens Spaß macht, jetzt muss ich es nur noch finanzieren und vielleicht einen Weg finden, damit auch Geld zu verdienen – vielleicht als Shuttle-Service für die Arbeitskollegen.