Dominical – von verbrannter Haut, hohen Wellen und einem Ausflug zum Corcovado

Dominical ist derzeit, weil Nebensession, noch ein ziemlich verschlafenes Surfer-Eldorado. Man kommt her, um sich auf das Brett zu stellen, welches hier die Welt bedeutet. Hier herrscht gefühlt die höchste Surfschuldichte pro Tourist in Costa Rica. Das ist auch kein Wunder, denn bei Flut ist ein ziemlicher Wellengang zu verzeichnen, dann ist hier Surfer-Rushhour und überall stehen, liegen oder paddeln sie dicht bei einander und jagen die besten Wellen.
Zu Beginn unseres Aufenthalts haben wir uns vorgenommen, vielleicht auch mal Surfstunden zu nehmen, daher stellen wir uns interessiert an den Strand und beobachten. Auf uns wirkt das Wellenreiten recht mühseelig, es scheint eine Menge Arbeit zu machen auf eine Welle zu warten, auf bzw. vor diese zu kommen, kurz zu surfen und auf eine neue Welle warten. Wir verschieben unser Vorhaben auf unbestimmte Zeit, wir sind ja schließlich im Urlaub…
Dennoch wollen wir natürlich ins Meer! Auf unseren ersten Strandbesuchen haben wir das Schild „Schwimmen verboten“ selbstverständlich übersehen. Lediglich die Hinweisschilder, die über die gefährlichen Strömungen aufklären und wie man sich im Notfall verhält, haben wir studiert (nicht gegen die Strömung schwimmmen, mit ihr und parallel zum Strand entkommen). Altklug habe ich selbstverständlich auch darauf hingewiesen, dass im Reiseführer erwähnt ist, dass hier schon viele Menschen ertrunken sind. Wir ignorieren also alles und stürzen uns in die Wellen. Tiefer als bis zum Bauchnabel gehen wir nicht rein, da uns hier die eine oder andere Welle total von den Füßen holt. Wir überleben und schlucken dabei 0,5 l Salzwasser pro Person.

Am nächsten Tag machen wir eine kleine Wanderung am Strand entlang, dieser ist traumhaft schön und erfüllt jede Klischeevorstellung, wie denn ein perfekter Strand auszusehen hat. Zu Beginn unserer Wanderung war Ebbe. Während wir gemütlich frühstücken, laufen, kurz in die Fluten springen und zurückkehren, schauen wir zu wie langsam die Flut zurück kehrt. Es ist faszinierend, wie stark sich die Landschaft durch die Flut verändert und sie teilweise Wege oder Strandabschnitte unpassierbar macht. Was wir beim kompletten Ausflug aus den Augen verloren haben, holt uns im Hotelzimmer wieder ein. Der Lorca lacht mich fies aus, bis ich in den Spiegel schaue. Ich bin krebsrot im Gesicht und die Haut feuert ordentlich nach. Wir haben uns tatsächlich nach 5 Wochen Costa Rica den ersten Sonnenbrand geholt. Wir lachen uns noch ein paar Minuten gegenseitig aus, gehen kalt duschen und verwöhnen uns mit völlig überteuerter Niveacream. Eine fiese Sonne, die die gesamte Wirkung auf die Haut erst einige Zeit nachdem man sie verlassen hat offenbart.

Mit der Ankunft in Dominical ist uns bewusst geworden, dass wir eigentlich gar nicht mehr soo viel Reisezeit haben und wir immer noch an der Pazifik-Küste rumlümmeln. Langsam wird es Zeit uns auf die karibische Seite von Costa Rica zu bewegen. Wir müssen allerdings dringend noch die Halbinsel Osa besuchen, daher entschließen wir uns für eine Tagestour für 140 $ pro Person. Den Lorca überrede ich mit den entsprechenden Passagen aus dem Reiseführer und hoffe inständig, dass der Autor nicht übertrieben hat und der Lorca von der Reiseleitung nicht sein Geld zurück fordert.

Nachdem wir schon seit einer geraumen Zeit den Jetleg hinter uns gelassen haben und uns allmählich an den Tag/Nacht-Rythmus gewöhnt haben, sind wir selbstverständlich in alte Verhaltensmuster zurück gefallen und beginnen den Tag zu anständigen Zeiten. Für unsere große Tour zum Nationalpark Corcovado müssen wir allerdings um 5 Uhr morgens aufstehen.
Wir werden pünktlich um 6 Uhr abgeholt und nach Sierpe gefahren. Von hier aus soll es dann mit dem Boot zur Ranger-Station des Nationalparks weitergehen. Wir werden an der Bootsanlegestelle abgeladen, die praktischerweise an einem großen Soda angrenzt. Hier herrscht allgemeine Aufbruchsstimmung. An vielen Tischen sitzen bereits Touristengruppen, die offensichtlich ebenfalls auf ihren Ausflug warten. Etwas abseits sammeln sich die Reiseführer, Bootsfahrer und Busfahrer und veranstalten ein kleines Volksfest. Sie lachen laut, klopfen sich auf die Schulter und unterhalten sich ausgelassen. Eine gut gelaunte Truppe und wir beginnen uns auf den Ausflug zu freuen.

Dann geht es los und unsere Befürchtungen, mit der großen Touristengruppe aufzubrechen, zerstreuen sich. Wir bekommen nur von einem sympatischen kanadischen Päarchen Gesellschaft. Der Guide stellt sich vor, er heißt Oscar, der Bootsführer ebenfalls – daher schlägt er vor alle Männer auf dem Boot ebenfalls Oscar zu taufen, das würde die Kommunikation vereinfachen. Damit sind die Lacher auf seiner Seite und das Eis gebrochen.
Vom Ort Sierpe führt der Fluss „Sierpe“ in Schlangenlinien zum Ozean. Sierpe heißt fast zufällig auch Schlange. Der Fluss durchquerrt das größte Mangrovengebiet von Costa Rica. Wir fahren mit hoher Geschwindigkeit ca. 45 Minuten auf dem Fluss. Der Rio Sierpe ist stellenweise 2 mal so breit wie der Rhein und ist gesäumt von grüner Vegetation. Als die ersten Palmen sichbar werden, sind wir an der Mündung zum Ozean angelangt. Hier wurde das größte Stück Gold in ganz Costa Rica gefunden. Unser Guide bitten uns unbedingt alles wegzupacken und die Schwimmwesten anzulegen, bevor wir auf das Meer fahren. Mir schwant Übles.

Die nächsten 60 Minuten fahren wir über das offene Meer und werden ordentlich durchgeschüttelt. Zum ersten Mal denke ich darüber nach, dass Bootsfahren eventuell doch mehr ist, als auf dem Wasser immer gerade aus zu fahren. Tatsächlich muss man ziemlich genau auf das Wasser achten und mit Wellen sacht umgehen, das macht er gut. Dennoch sind wir erleichtert als er endlich einen Strand ansteuert, uns tut der Rücken und das Gesäß weh vom Auf und Ab. Wir haben die Rangerstation Sirena des Nationalparks Corcovado erreicht. Das ist der zweitgrößte Park in Costa Rica und allein die Anblick des Strands war die Mühe bereits wert.
Wir begeben uns auf eine Wanderung, die zwischen Wald und Strand abwechselt. Unser Führer bemüht sich uns Tiere zu zeigen, wobei er geflissentlich die Schilder „do not leave the trail“ übersieht und uns ins dicke Unterholz mit nimmt. Wir lernen, dass es in Costa Rica 4 Affenarten gibt, 3 davon sehen wir (Klammeraffe, Brüllaffe und Kapuzineraffe) auch allerhand Vögel werden uns gezeigt, allerdings vergessen wir größtenteils deren Namen. Die Aras und der so genannte Michael Jackson Vogel, der so wurde uns berichtet, den Moonwalk als Balztanz perfekt beherrscht, bleiben uns in Erinnerung. Während wir im Unterholz mit kurzen Hosen unterwegs sind, kommt die berechtigte Frage auf, ob es den hier Schlangen gibt. Natürlich gibt es sie. Unser Guide grinst und erklärt uns, dass es drei Leute benötigt, damit die Schlange zubeist. Die erste Person weckt die Schlange auf, die folgende Person bestätigt der Schlange das Gefahr droht, bei der dritten Person beißt das Vieh zu. Ich zähle nach: 1. Guide, 2. Lorca, 3. Ich! Der folgende Blick vom Guide und dem Lorca zeigen, dass sie auch gerade nachzählen  – schönen Dank auch ihr Arschgeigen.

An der Rangerstation gibt es Lunch, unser Guide hat Früchte und Reis mit Gemüse sehr appetitlich angerichtet. Wir essen auf Holzbänken unter Palmen, rechts der Ozean, links das mediterane Holzhaus und vorne und hinten Urwald – das Auge isst ja schließlich mit. Die anschließende Wanderung zum Wasserfall ist sehr reizend, wir gestehen allerdings, dass uns der Wasserfall nicht total von den Socken haut, da wir verwöhnten Urlauber bereits imposantere gesehen haben.

Die Rückfahrt auf dem Ozean ist viel ruhiger, dass liegt an der Flut erklärt uns unser Guide. Als wir auf dem Rio Sierpe sind, fahren wir durch die Mangrovenwälder, diese sind nur bei Flut mit dem Boot befahrbar. Die Besonderheit an diesem Gebiet ist, dass sich das Salzwasser und das Flusswasser mischen, die Mangroven nehmen das Salzwasser mit auf und lagern dies in den Blättern ab. Wenn ein Blatt zuviel Salz angesammelt hat, wird es gelb und fällt ab – verrückte Mangroven.
Zum Abschluss der Tour trinken wir mit den Kanadiern noch einen Kaffee und tauschen uns über lohnenswerte Ziele in Costa Rica aus. Nach 10 h werden wir sicher in Dominical abgesetzt. Da der Fahrer eine der wenigen ist, bei deren Fahrstil mir nicht schlecht geworden ist, drücken wir ihm 1000 Colones in die Hand und bedanken uns für die sichere Fahrt.