Karibik mal anders

Wir haben der uns inszwischen so ins Herz geschlossenen Pazifikküste auf Wiedersehen gesagt, um uns zu höheren Missionen zu begeben.
Als anständiger Costa Rica Tourist muss man eigentlich den Chirripo bestiegen haben, den höchsten Berg hier. An Wochenenden scheint es regelrechte Pilgerwanderungen dahin zu geben und natürlich gibt es jährliche Wettbewerbe, wer als erster oben und unten ist. Diese verrückten Marrotten scheinen einige Länder zu besitzen, es erinnert mich stark daran, dass so etwas auch schon im alten World Trade Center stattgefunden hat – ich glaub sogar in Pumps, da kann ich mich aber auch irren. Hier wird anständig mit vernünftiger Ausrüstung geklettert, es ist nicht unnormal, dass es da oben Minusgrade hat.
Jetzt kommt selbstverständlich der uns betreffende Haken: Es ist ein sehr mühsamer Aufstieg und dauert für Ungeübte ca. 8 – 10 h (One Way), verlangt zwingend eine Übernachtung in selbst mitgebrachten Schlafsäcken und schließt die Möglichkeit ein, an der Höhenkrankheit zu erkranken. Wir machen uns bewusst, das wird wohl nix, mit uns, und dem Berg, und die Aussicht auf zwei Ozeane, und einen Sonnenaufgang. Ich bin tapfer und verdrücke kein Tränchen, sondern fange an den Reiseführer aufs Neue zu wälzen. Ich finde eine neue Gelegenheit zwei Ozeane auf einmal zu sehen: Der KM 89,5 der Carretera Interamericana mit 2400 Meter Höhenlage! Es passt hervorragend in unsere Route.
OK! Für all die Zweifler, die lieber Authentizität, statt Dramatik wollen: die Recherchen fanden bereits in Liberia statt und die Route war nicht ganz zufällig auf Dominical gefallen – von hier gehts nämlich hoch nach San Isidro in die Berge und dann auf die Carretera.

Nachdem wir also ein paar Wochen fleissig geschwitzt haben, finden wir, dass es Zeit wird für eine anständige Abkühlung und einem kleinen Zwischenstopp bevor es dann zum weiter schwitzen an die Karibikküste geht.
Ich möchte nicht zu viel vorwegnehmen, doch Gandalf hätte uns in die Augen geschaut und gesagt: „Flieht Ihr Narren!“
Das Wissen wir natürlich noch nicht, also steigen wir in den Bus und steuern zielsicher unsere Unterkunft auf KM 119 an, um am nächsten Morgen einen Ausflug zum heißersehnten KM 89,5 zu unternehmen. Mit jedem zurück gelegten KM wird es nebliger und nieseliger, das stört uns selbstverständlich gar nicht. Der Wetterbericht hat für die nächsten zwei Tage eigentlich Sonnenschein vorhergesehen und anschließend Regen. Als wir ankommen hat es zwar mit Regen aufgehört, wir können allerdings kaum 20 Meter weit sehen. Es ist dennoch wunderschön hier oben, also wunderschön kalt und ein klein wenig amüsiert uns die Ironie schon, das wir auf einem Aussichtspunkt keine Ausicht haben. Unser Gastgeber macht uns für den morgigen Tag keine Hoffnung. Und wie er davon spricht, dass es manchmal ein paar Minuten klare Sicht geben kann, passiert es auch schon, der Nebel bricht auf und wir haben einen atemberaubenden Blick nach unten, auf San Isidro. Es wirkt ein wenig wie bei Nacht mit dem Flugzeug landen. Wir genießen die Aussicht aus unserer Unterkunft und könnnen uns fast nicht sattsehen. Das entschädigt uns ein wenig dafür, dass es sich nicht lohnt am nächsten Morgen zu KM 89,5 aufzubrechen. Das Wetter bleibt neblig und nieselig. Einheimische scheinen doch zuverlässiger als der Wetterbericht zu sein.
Wir verbringen den Tag auf dem wunderschönen Grundstück mit eigenem Wanderweg und genießen zumindest die paar Minuten grandiose Aussicht auf die pazifische Seite.
Nach zwei Tagen der Kälte und Legitimation der mitgeschleppten Winterklamotten wollen wir wieder ins Warme und steigen in den Bus, um nach 8 stündiger Fahrt mit allerhand Staus und merkwürdigen Vögeln im Bus ziemlich erschöpft im stockdunkeln  Cauhita an der Karibikküste anzukommen.
Leider haben wir auch das Wetter mitgebracht, es ist kühl, es regnet ununterbrochen und der sonst so romantische Karibikstrand ist ziemlich aufgewühlt. Dennoch machen wir ein paar Pläne. Der erste ist, die erste Unterkunft zu verlassen, die wir im Dunklen bezogen haben und die zwar auf der Topliste stand aber eher von alten Lorbeeren lebt als von frischen Beurteilungen. Vermutlich ist das unsere zweitschlimmste Unterkunft, was den Schmutz und den Vergilbungsgrad angeht. Wir fühlen uns nicht wohl und verbringen den nächsten Tag damit nach einer passenderen zu suchen. Wir werden nach zwei drei erfolglosen Anläufen und mehreren riesigen Hunden, die hier scheinbar zum Inventar gehören, fündig, ziehen ein, und ich koche uns was leckeres. Und das hätte ich vermutlich nicht tun sollen. In der Nacht bricht über uns die Hölle ein. Wir ziehen Nummern, um uns nicht nur beim Kotzen abzuwechseln, und siechen selbstmitleidheischend vor uns hin. Wir bekommen die nächsten vier Tage praktischer Weise abwechselnd Fieber und müssen abwechselnd das Bett hüten. So kann sich immer ein müder Soldat um das Lazareth kümmern und Nahrungsmittel und Medikamente heranschaffen. Kurze Panikanflüge es könnte Malaria oder Dengue-Fieber sein, behalten wir ersteinmal beide für uns. Immerhin können wir am ersten Tag allerhand Tiere von unserer schönen ursprünglichen Cabina beobachten und in unserer Hängematte schaukeln. Die Bäume und Stromkabel sind die Schnellstraße für eine Familie Eichhörnchen und Kapuzineraffen. Im Busch vor uns ist eine riesige Krebsneubausiedlung. Ebenfalls schaffen wir es beide 2 Bücher fertig zu lesen und uns nicht, um das schlechte Wetter zu kümmern. Heute Mittag fühlen wir uns schon viel besser und können hoffentlich morgen die karbische Küste erkunden. Gerüchte lassen durchblicken, dass das Wetter auch besser werden soll.