Escazu – vom verspäteten Feliz Navidad, dem Genesen und von Vulkankratern

Das Wichtigste zuerst und wenn auch einen halben Tag zu spät: Frohe Weihnachten gehabt zu haben. Da bis zum 26.12 nichts aufregendes im Lazarett passiert ist, wollten wir euch nicht „langweilen“ und haben uns dazu entschlossen erst nach der Tour zu schreiben.

Wir hoffen ihr hattet besinnliche Tage mit gutem Essen und geliebten Menschen. Unser Weihnachtsfest war bescheiden, aber nicht minder schön. Geschenke gab es dieses Jahr keine, wenn wir auch erfahren haben, dass unter dem heimatlichen Baum vielleicht doch – und entgegen aller Ankündigungen – ein zwei Pakete liegen. Uijuijui Geschenke! Da freut man sich umso mehr auf ein Wiedersehen.
Ein so spartanisches Essen hatte ich zu Weihnachten noch nie, aber dadurch, dasss es sich so deutlich von dem Essen der letzten 2 Monate unterschied, war es doch etwas besonderes. Lecker knackiger Blattsalat, Spargelsuppe (aus dem Beutel), Nudeln mit Pilzsoße, Schokokekse und eine Art Buchteln mit Erdbeermarmelade waren in verschiedenen Konstellationen unser Festagsmenü. Verrückt aber wahr, wir haben sogar Sojamilch gefunden und als Schnäppchen für nur knapp 6 Dollar pro Liter gleich zwei mitgenommen.

Das Zweitwichtigste und Endlich! Nach fast 10 Tagen des Siechens kommt der Lorca zwar nur mit Hilfe von Antibiotika wieder auf die Beine aber er kommt endlich wieder auf die Beine. So was hartnäckiges und solche Existenzängste hatte ich lange nicht mehr. Mit in der Spitze 39,5 Grad Celsius Fieber und enormen Flüssigkeitverlusten, die selbst mit 4 und fast 5 Litern Wassser am Tag nicht ausgleichbar waren, verstehe ich jetzt, warum andernorts Menschen, die keinen Zugang zu Medikamenten haben, an vermeintlichen Bagatellen sterben. Lange Rede kurzer Sinn: Ich bin wieder unter den Lebenden und wir konnten endlich wieder einen Ausflug machen.

Für die letzten Tage unseres Aufenthaltes hatten wir bereits im Vorfeld eine Reservierung gemacht. Hochsaison und Weihnachtszeit spülen unzählige Touristen ins Land und so erschien es uns angebracht auf Nummer sicher zu gehen. Daher mussten und um ehrlich zu sein wollten wir die Karibik verlassen. Die Karibik hat uns nicht gerade ins Gesicht gelacht. Schlechtes Wetter und meine Krankheit haben die Region nicht unbedingt mit guter Erinnerung im Kopf abgespeichert.
Da ich noch völlig entkräftet und fiebrig bin gönnen wir uns einen Shuttle. Die Busfahrt traue ich mir nicht zu und wir hoffen mit dem Shuttle bis zum Hotel zu kommen. Leider werden wir unweit unseres Hotels abgesetzt und müssen die letzten Meter mit dem Taxi zurücklegen. Wie man so im Arsch sein kann, dagegen ist eine durchfeierte Nacht ein Kinderspiel. Der Checkin gestaltet sich schwer, da ich die simpelsten Dinge nicht verstehe oder ausdrücken kann, aber dank meines komplizierten Namens findet man uns im Computer und lässt uns erstmal ins Zimmer und wir holen die Prozedure nach. Die ersten Tage verbringe ich noch damit auszukurieren, schlucke Antibiotika und trinke, trinke und trinke. Nach fünf Tagen geht es endlich wieder und es wird Zeit für Erkundungen.

Als erstes haben wir Escazu erkundet. Escazu ist ein kleiner süßer Vorvorort von San Jose und hat nichts von seiner Hässlichkeit und ist für die Landesverhältnisse ruhig und sauber. Viel gibt es nicht zu sehen, aber wir können den ersten Friedhof besuchen.
Bisher sind wir immer an welchen vorbeigefahren. Dieser Friedhof besteht aus zwei Hälften. Auf der einen Seite sind improvisierte Kreuze auf den Gräbern und sonst meist nichts weiter – es scheint die Seite der einfachen oder armen Leute zu sein. Auf der anderen Seite sind gekachelte Kuben mit zum Teil mehreren Etagen – also die costaricanische Art der Famliengruft. Auf den Kachelgruften stehen dann zum Teil Kreuze und Engel und wie bei uns sind die Eckdaten von Geburt und Tod auf den Gräbern zu finden. Auch in Deutschland faszinieren mich Friedhöfe und ich überschlage im Kopf immer, wie alt die Leute in etwa wurden. Hier fällt mir auf, dass ich meine, dass die Ticos nicht besonders alt werden. Ein wenig befremdlich ist es schon auf einem Friedhof als Tourist unterwegs zu sein und auch Fotos zu machen und wir hoffen inständig auf diese Weise in den Augen der Ticos keine Totenruhe zu stören.

Die Entscheidung für unsere erste Tour nach Wiederauferstehung fiel auf den Besuch des Irazu. Einen Vulkan der zwar nicht mehr aktiv ist, aber in unmittelbarer Nähe von einem Vulkan emporragt, der vor 2 Wochen noch mit Eruptionen in den Nachrichten auf sich aufmerksam machte. Wir werden um 06:45 am Hotel – das am Rande erwähnt sbolute Spitze ist, die Räume großzügig und gepflegt, das Personal von einer herzlichen Hilfsbereitschaft, dass einem das Herz springt – abgeholt. Viel zu früh, aber wir verstehen schnell warum. Es werden noch 20 weitere Kunden eingepackt und so fahren wir an vielen bekannten Stellen San Joses vorbei, erinnern uns an die ersten Tage unserer Reise und packen ein Rentnerpaar nach dem anderen ein. Gut dann geht es nicht so auf die Knochen.

Es folgt eine recht lange Fahrt während unser Fahrer den alten Bus auf 3000 Meter und mehr quält und unser „Guide“ uns alles erzählt was ihn in den Kopf kommt. Also wirklich alles, wobei er nicht müde wird einzene Fetzen immer wieder auf Spanisch zu wiederholen.
Wir werden unweit des Kraters aus dem Bus gekegelt und haben eine Stunde, um das Gebiet zu erkunden. Die Stunde ist genau getimet, wie sich herausstellt. Es herrschen unfreundliche Bedingungen. Unfreundlich heißt ungefähr 10 Grad Celsius und peitschende Windböen. Die Böen sind richtig fies, da sie immer kleine scharfkantige Kieselsteine unterschiedlicher Größe, wie ein Sandstrahler durch die Luft und damit in den Nacken oder ins Gesicht fliegen lassen. So wird das Fotografieren zu einem Spiel gegen die Zeit, einem Objektiv tut das sicher nicht gut. Ein Peeling braucht man hinterher nicht mehr. Alles lebende und tote Hautgewebe ist weggeschliffen, aber man wird uns bei der Einreise noch erkennen.
Der Krater ist beachtlich riesig. Geschätze 300 Meter vielleicht sogar 400 Meter Durchmesser wird er haben und er ist so tief, dass man den Boden nich sehen kann.

Mann und Kegel werden wieder eingepackt und es geht weiter zur zweiten von 5 Stationen. Keine Sorge nicht alle sind berichtenswert und da die meisten Stationen zu einer Art Drive-By-Shooting werden, geht es ab hier schnell.

Wir sehen die bedeutendste katholische Kirche und fotografieren sie sogar. Nach 20 Minuten werden wir wieder eingepackt und es geht zu einer Kirchenruine, die so unspektakulär ist, dass man sie wohl nur mitgenommen hat, weil sie auf dem Weg liegt.
Dann geht es weiter zu einer Kaffeeplantage, die wir leider nur durchfahren, aber in ihrer Mitte gibt es Lunch. Ein wunderschöneer Ort mit nur mittelmäßigem Essen. Aber der See und das Gelände entschädigen und endlich haben wir auch eine Kaffeeplantage gesehen.

Eine Station ist allerdings noch erwähnenswert. Ein botanischer Gartten mit der größten Orchideenvielfalt weltweit, einem japanischen Garten und und und. Der Guide redet von 60.000 Pflanzen und 5.000 Pflanzenarten. Wir werden mit dem Zählen nicht nachkommen.
Wir erreichen eine wunderschöne Anlage und stürzen direkt los. Orchideen hatten es mir schon immer angetan, aber was man hier für Böüten sieht ist phänomenal. Leider sind nicht alle Blüten gut zu fotografieren, aber es gibt keine Farbe und keine Form die es nicht gibt und sie verströmen Düfte, wie ich sie bei Orchideen in Deutschland nie wahrgenommen habe. Insgesamt bleibt uns wieder nur eine Stunde für einen recht langen Weg, der durch die Fotopausen nicht kürzer wird, sodass wir den Garten nicht vollständig schaffen, aber diese Station und der Vulkan rechtfertigen die Strapazen dieses Tagesausfluges. Und endlich haben wir ein paar Souvenirs ergattert. Das wurde aber auch Zeit!

Schließlich geht es heim. Nach fast 12 Stunden werden wir dieses Mal als die letzten abgesetzt und sind heilfroh es geschafft zu haben. Zum Ende unseres Aufenthaltes haben wir also auch mal eine der belächelten Drive-By-Shootings mitgemacht. Wer so ein Land kennenlernen will, soll es gerne tun, aber unsere Art des Reisens und Erkundens ist es sicher nicht. Wir sind froh, dass wir den November im Land verbracht haben und dies die erste und letzte Tour dieser Art ist und es bisher immer eine private fast schon familiäre Atmosphäre bei den Touren gab.