Tag 2 von Hull nach Nottingham

Britannien lässt uns einreisen. Trotz Brexit. Es bleibt alles doch alles beim Alten und nichts wird so heiß gegessen wie es gekocht wird.

Wir brauchen keine 100m für das erste auffällige Verkehrsverhalten. Schön auf ein Auto draufgehalten und darüber gewundert dass der Penner nicht mehr Platz macht.
Wir halten neben einem Auto an der Kreuzung. das Fenster weit offen, da es schon morgens ordentlich warm ist. Lurchi lässt es sich nehmen, den Beobachter der letzten Szene anzusprechen: „So you are driving on the left side, aren’t you? Is there anything else wie should know to survive on the road of this country?“ Der Fahrer lacht und sagt: „No that enough so far.“
Läuft bei uns.
Die Fahrt in die Stadt ist eine Herausforderung. Sehr verwirrende Strassenverläufe und Autos und Busse aus vielen unvermuteten Richtungen und Ecken. Ein neues Mantra wird geschaffen: Links abbiegen kleiner Bogen, rechts abbiegen großer Bogen. Dieses Mantra beten wir an jeder Kreuzung runter und es wirkt. Wir gewinnen mit jeder Kreuzung an Sicherheit, nicht viel aber stetig.
Wir kämpfen uns zum Bahnhof durch, viele Baustellen machen es uns nicht gerade leicht.
Unsere Karten haben wir online gekauft und drucken sie an einem Automaten aus. Respekt England das klappt gut. Auf zum Gleis, Räder abstellen und Snacks kaufen.
Die Briten weisen sehr gut und klar aus, was vegan, vegetarisch oder allergiefreundlich ist. Toll das macht es leicht.

Die Räder werden hier super transportiert. Ein extra Abteil und die Räder werden sicher aufgehängt, das Gepäck liegt im gleichen Raum und ist eingeschlossen. Der bisher beste Service.

Wir müssen direkt mit ein paar Vorurteilen aufräumen.
Britischer Badlook
Kurz und knapp: Er existiert! Auffällig und unglaublich. In Kombination mit den britischen Genen ein Schauspiel

Unfreundliche Briten
Ganz klar: Nein! Die Briten sind unfassbar freundlich, kontaktfreudig und aufgeschlossen. Toll!

Briten und Autofahren
Es ist schlimmer als jedes Gerücht.

Britisches Essen
Separate Karten für Vegetarier und Veganer! Es gibt was in jedem bisher besuchten Laden. Die Geschäfte sind gut sortiert.

Britische Tätowierungen
Unfassbar, was die Menschen sich hier stechen lassen. Zerlaufen, nicht gedeckte Flächen, schlechte Konturen.

Wir steigen in Redfort aus. Wir packen das Rad und denken es wäre an der Zeit zu klären auf welchen Straßen wir fahren. Der erste Brite guckt uns zweifelnd an? Mit dem Rad? Ja ich bin Schaffner und kann nicht fahren, fragt besser jemand anderen… Gut auf zum Taxi. Die Erkenntnis: Straßen mit M meiden, A und B sind ok.

Unsere Erkenntnisse sind andere. A-Straßen sind krass. Meist mit den Autos auf der gleichen Spur. LKW die mit 80kmh an einem vorbeiballern und der Luftzug der einen schlingern lässt. Es ist laut und recht stressig. Wir beschließen eine Fahrradkarte zu kaufen und die nächste Route besser zu planen. Jetzt erstmal nur ankommen und die knapp 70 km bis nach Nottingham zu Kochi, Jussi und Emil packen.

An ein zwei Stellen reißen wir aus und biegen auf kleine Straßen ab. In keiner Karte eingezeichnet und plötzlich in ein Feldweg übergehend, der dann nur noch aus tiefen Pfützen besteht und dann in eine 100m lange Vollcrossstrecke übergeht. Hier hilft nur absteigen und schieben.

Die Steigungen sind unglaublich. Wer glaubt man braucht den ersten Gang einer 24-Gang-Schaltung nicht, der irrt. Auf der Strecke haben wir ca 600 Höhenmeter zurückgelegt. Der Wert zeigt allerdings nicht, wie hart man arbeiten muss, damit man oben auf der Kuppe ankommt.

Bergauf bergab, bergauf bergab, Kreisverkehr, bergauf, bergab, Kreisverkehr.
Teile der Strecke laufen nicht direkt auf der Straße. Sie sind asphaltiert aber auf zugewuchert. Unsre Schienbeine räumen Dornen, Brennnesseln und sonstiges Gestrüpp zur Seite. Komfortable ist das nicht, aber sicher. Die nächste Route wird besser geplant…

Wir kommen ziemlich kaputt in Nottingham an. Man merkte sofort, dass man sich einer Stadt nähert. Die Kraftfahrer werden immer rücksichtsvoller. Ja verrückt. Das Gegenteil vom Erwarteten tritt ein.

Bisher hat die ganze Zeit die Sonne gebrannt. In Nottingham kommt der erste britische Regenschauer runter. Regenjacken raus, und der Regen ist weg. Cool. So kann es weitergehen.

Wir finden unser Ziel gut und zuverlässig und werden toll empfangen. Räder verstauen, an den Terrassentisch und Bier und Prosecco an den Hals. Zwei Bier später gibt es das Essen und wir lassen den Abend ausklingen. Ein Britisches Königreich für eine Couch, ein Bett und eine Dusche.

Der Tag danach steht im Zeichen des Stadtbummels und der Kneipenbesichtigung. Charme nennt man hier den leicht angeranzten Touch. Wir mögen es. Freundliche Bedienung und solange Kohlensäure im Bier ist auch schmackhaftes Bier. In der Stadt kaufen wir eine Fahrradkarte.

Am Abend wird die nächste Route geplant. Ein See mit Campingplatz über Seitenstraßen und Fahrradrouten ist der Plan. We will see.