Von Nottingham nach Oakham oder die Geschichte des letzten Hügels

Leider können wir die Gastfreundschaft von Jussi, Kochi und Emil nicht ewig genießen.
Eine kurze aber schöne Zeit geht zu Ende und wieder verlassen wir die Komfortzone. Gestern spaziert man noch mit seinem Ziehsohn durch Nottingham und spielt Eisenbahn und ich sehe was was du nicht siehst und heute geht es wieder auf die Räder. Ein gutes Frühstück später reisen wir los.

Karo hat viel Zeit in eine neue Tagesstrecke gesteckt und das merkt man sofort. Die gekaufte Karte und Karos Mühen sind goldwert. Wir finden Fahrradrouten und fahren ruhige Wege frei von oder mit nur sehr wenig Verkehr, dafür aber in toller Landschaft. Für Fotos ist leider nur wenig Zeit, und wann immer man was Hübsches sieht anzuhalten, würde uns zu sehr aufhalten und hinzu kommen die Hecken, die sich nicht gut ins Bild einfügen und daher bleiben nicht viele Spots für gute Bilder.
Diese englische Landschaften sind einfach atemberaubend. Man muss nicht weit wegfahren, um eine schönes Land zu sehen. Diese saftig grünen Hügel sind einfach sehr schön anzusehen.

Die Route von Karo wird durch zwei gesperrte Straßen torpediert. Die erste Sperre nehmen wir hin, an der zweiten stehen zwei Polizisten. Ich spreche sie an, da diese Sperrung zu umfahren da 5km Umweg sind. Es gibt einen super Tipp. 3 km zurück zu der andren Sperrung, die wir gerade umfahren haben. Hättet ihr nicht an der Sperrung stehen können?
Die beiden sind der erneute Beweis dafür, dass die Briten unglaublich freundlich und hilfsbereit sind. Unsere Erfahrungen werden immer besser.

Um die schönen Hügel wieder aufzugreifen. Sie sind schön anzusehen sind allerdings für den Radfahrer eine Herausforderungen. Die Steigungen sind brutal und setzten gerne von Hecken verdeckt hinter Kurven ein, um, immer wenn man glaubt das Härteste hinter sich zu haben, noch eine weitere Steigung oder noch härtere Steigung dranzuhängen. Wir kämpfen mit allem, aber bei einer mussten wir runter vom Rad und schieben. Der kleinste Gang trat sich wie der größte, der Puls raste, die Atmung war nur noch hastig und kurz. Schieben mit 40kg ist eine Erholung, aber es dauert leider. Für den Berg mussten wir 25-35 Minuten investieren. Als wir dachten das Ende erreicht zu haben machten wir eine Wasser- und Foto-Pause. Es war brutal.
Zwei Briten sehen uns uns sprechen uns an. Ach bis nach Köln? Mit dem Rad? Gibt es bei euch keine Autos? Das ist eine praktische Erfindung. Urlaub nennt ihr das?

Nach der Pause wieder aufs Rad zu steigen kostete Überwindung. Als hätte man geahnt, dass nach der nächsten Kurve wieder eine Steigung kommt. Nicht aufgeben. Kämpfen. Und wir kommen 5 Minuten später total abgekämpft oben an. Eine ältere Frau sieht uns und lächelt. Wir japsen und schnaufen. Unsere Mühen quittiert sie mit einem Well-Done! Wenn sie wüsste. Ich habe keine Kraft zu widersprechen und lasse sie in dem Glauben den Hügel gemeistert zu haben. In Gedanken verfluche ich zwei britische Polizisten.

Wir begegnen noch vielen Hügeln und viel seltener Abfahrten. Insgesamt meistern wir 700 Höhenmeter. Ich schätze dafür muss man 70 mal den Katzenbuckel in Köln fahren oder 20 mal die Zoobrücke.

Eine Abfahrt ist allerdings besonders. Laut Tacho knallen wir 5 km den Berg mit satten 60 Sachen runter. Neben der ruhigen Straßen, den netten Begegnungen (ja die Cops zählen auch) der tollen Aussicht und den alltäglichen Dingen, die plötzlich besonders werden, ist diese Abfahrt das Highlight. Sie entschädigt einen fast gänzlich für die harte Arbeit.

Die Hügel haben Kraft und vor allem Zeit gekostet. Wir haben ein Ziel vor Augen und kommen ihm langsam aber sicher näher. Ab einem Punkt 6 km vor dem Ziel kommen wir nur noch mit fragen weiter. Ja ganz in der Nähe nur noch den Hügel hoch. Wir werden es nicht zum letzten Mal hören. Am Campingplatz angekommen ist die Rezeption nicht mehr besetzt und nicht deutlich wo man das Zelt aufbauen kann, wo die Waschräume sind usw. Auf klopfen und klingeln reagiert niemand. Auch dass wird nicht zum letzten mal passieren.
Wir finden ein B&B eine Meile von Standort entfernt. Großartig. Nur ein Hügel und wir sind da. Die Frau ist verwirrt, dass jemand klingelt. Dass B&B machen sie normalerweise aber im Moment nicht. Läuft nicht so gut. Sie empfiehlt uns Barnsdale, dort wäre ein anderes B&B und ein Hotel. Ja genau nur ein Hügel entfernt.
Es sind 3 Meilen und eher zwei Hügel. Es fängt an zu Regnen. Läuft mal richtig gut.
Wir kämpfen uns in Richtung Barnsdale und finden das B&B direkt. Auf unsern Klingeln reagiert niemand. Ich gehe ums das Haus herum. Eine Tür steht auf, in der Küche steht der Kühlschrank offen, auf meine Rufe reagiert aber niemand.

Was tun? Das nächste Hotel ist nur einen weiteren Hügel entfernt. An der nächsten Kreuzung stellen wir uns kurz unter und sortieren uns. Nervosität kommt auf. Auf dem Tacho stehen inzwischen statt der geplanten 65 km bereits 79 und es geht auf Acht zu. Ein Auto fährt die Straße entlang. Ich halte es an und frage nach Übernachtungsmöglichkeiten. Ja genau, nur ein Hügel weiter ist ein sehr beliebtes Hotel. Der Hügel ist vernichtend steil, und an der Kuppe sieht man, dass man tief in das Gelände fahren muss. Und genau das Gelände ist wieder hügelig. Ich fahre rein uns gehe zur Rezeption des „Barnsdale Hall Hotel & Country Club“.
Nobel ist noch untertrieben. Adrian ist der hilfsbereite Rezeptionist. 110£ kostet das billigste Zimmer. Die Hotels in der Gegend sind ausgebucht. Er berichtet davon dass die Mannschaft gerade die Gegner überrannt hätten. Ich lobe Land und Leute und seine Hilfsberitschaft und frage noch mal nach den Zimmerpreisen, da wir nach unserer Fahrt von Nottingham hierher doch irgendwo unterkommen müssen. Er telefoniert und präsentiert das zimmer nun für 70£. Zögern ist unvernünftig und so landen wir statt auf dem Campingplatz in der Topadresse der Gegend. Die Bar serviert Chips n Crisps, Fußball und Lager für die geschundene Seele.
Duschen! Zähneputzen! Schlafen…..