Bury St. Edmunds nach Colchester – Rettungseinsatz, Autofahrer und Routen

Wir stehen frisch gestärkt an den Rädern. Der Routinecheck ist erledigt, die Taschen angebracht und fest gezurrt. Es kann losgehen.

Online-Karte des „National Cycle Networks – NCN“

Wir haben gestern noch gerätselt wie wir unsere Route wiederfinden. Die Webseite des national Cycling Networks bietet eine Karte – ja hätte man früher finden können, aber besser spät als nie. Ich habe also eine Kreuzung rausgesucht an der wir die Route 13 finden sollten, diese Kreuzung in die Navigation übertragen und wir fühlen uns bestens präpariert. Also ab auf die Straße, den Anweisungen folgend und den Verkehr im Auge.

Trotz GPS und Karten immer wieder ab von der Route

5 Minuten später stehen wir an der Kreuzung und finden prompt das Schild. Das war einfach. Viel zu einfach. Wir suchen nach der versteckten Kamera. Es scheint keine Finte zu sein. Die 13 in Klammern heißt es handelt sich um einem Zubringer. Wir folgen den Schildern und sind keine 5 Minuten später an einer Kreuzung mit viel zu vielen Entscheidungsmöglichkeiten.

Wir fühlen uns wie Kinder im Süssigkeitenparadies. 100 tolle Dinge aber nur eines kann man mitnehmen. Innenstadt, Mall und fünf Städtenamen stehen zur Auswahl. Wir entscheiden uns und fahren los. Ein Kilometer später die ersten Zweifel, dann verliert sich die Route, also ein Bogen fahrend die Spuren suchen. Endlich wieder ein Schild, leicht genervt raten wir uns unseren Weg weiter durch Bury. Die Ausschilderung ist nur sehr sporadisch und so verlieren wir alle paar Minuten die Route. Wir fangen an die anderen Radfahrer zu fragen. Die meisten wissen nicht wovon wir reden. Wir irren umher, bis Gevatter Zufall uns den richtigen Städtenamen präsentiert. Direkt an der ersten Kreuzung haben wir das Kind in ein Brunnen fallen lassen. Läuft. 11 km und eine satte Stunde später sind wir endlich auf der richtigen Spur.

Die sporadische Beschilderung bleibt. Wir sind schon daran gewöhnt, dass nur Richtungsänderungen angezeigt werden und hin und wieder mal ein Aufkleber bestätigt, dass man sich auf der richtigen Straße befindet. Der letzte dieser Aufkleber ist allerdings schon lange her. Hätten wir an der Kreuzung, an der wir kein Schild und nichts gesehen haben, abbiegen müssen?

Rettungseinsatz der Royal Air Force

Wir halten an und orientieren uns. Völlig falsch sind wir nicht, so richtig richtig aber auch nicht. Zwei Rennradfahrer passieren uns. Im vorbeifahren fragt man ob alles ok ist. Sie halten an und helfen uns. Diese Briten sind so hilfsbereit. Einer fährt vor, die nächste Kreuzung sondieren, damit er sich orientieren kann und holt eine sehr detaillierte Karte hervor. Die beiden orientieren sich nicht zum ersten Mal. Und haben verschiedene Lösungsansätze. Hier lang oder dort entlang, man könne auch dies oder jenes oder aber einfach geradeaus. Auf dem Trikot der beiden steht Royal Air Force. Es wird klar, wir wurden soeben vom britischen Militär gerettet. Ein weiteres Mal überzeugen uns die Menschen hier. Sie sind freundlich, witzig, unterhaltsam. Ein schöne Begegnung geht zu Ende und wir setzen unsere Route fort. Im Kopf verhallt der Hinweis, dass es hügelig wird. Hoffentlich irren Sie sich. Weitere 7 km und etwa eine Stunde später sind wir wieder auf der Route 13. Dieses Drecksstück zuhause bringt sie mehr Glück und führt uns immer sicher nach Hause.

Kaum haben wir unsere Route wiedergefunden, kommt zur Belohnung die erste Steigung, die erwähnenswert ist. Mein Gott, ist sie steil. Von weitem erkennt man sie und bereitet sich darauf vor. Aber es nützt alles nichts, die erste Steigung schaffen wir noch beide, bei der zweiten muss Karo aufgeben, bei der dritten fährt sie dann zu ihrer Ehrenrettung am schiebenden Lurch vorbei. Das soll es noch nicht gewesen sein.

Nur noch 6 Meilen – immer wieder

Wir registrieren die Namen der Städte um uns herum. Sowieso Hill, Mount etwas, St. Bergholt… Wir sind gefangen in einer Verkettung von Hügeln. Warum immer am Ende des Tages. Jede Pause die man macht verpufft ein oder zwei Steigungen später. Glücklicherweise kommt heute noch Gegenwind und Nieselregen dazu. Heute läuft es wirklich. Tapfer ziehen wir weiter durch, Wind und Wetter und den Hügeln fast immer trotzend. Die ersten Schilder kündigen unser Tagessieg an. 6 Meilen. Als es ein paar Meilen später immer noch 6 Meilen sind, erinnert es mich stark an den Morgen, als wir versuchten Bury hinter uns zu lassen und es auf jedem verdammten Schild schon vier Meilen entfernt war.

Die nächste Steigung führt zur Hölle

An einer Kreuzung beraten wir das weitere Vorgehen. Geradeaus über eine B-Road oder rechts ab einen steilen Berg hoch, aber weiter der Fahrradrouten folgen… Wir sind dumm genug dem ersten Impuls nachzugeben und uns gegen den offensichtlichen Berg zu entscheiden, dafür aber für die vielbefahrene B-Road. Nicht das klügste was wir heute entschieden haben und wir haben heute schon viel beschlossen…

Diese Straße ist eine Ausgeburt der Hölle. Die nächsten 6-8 Meilen gehen fast ausschließlich bergauf, steil bergauf und als Zuckerbrot mal nur wenig bergauf. Geschenkt, die Steigung hätten wir auf der anderen Straße auch gehabt, aber wie diese Leute hier Autofahren ist kaum zu beschreiben. Die Überholmanöver treiben einem Angstschweiß auf die Stirn. Sie nötigen den Gegenverkehr zum bremsen, Sicherheitsabstand ist die Tasche auf dem Gepäckträger und überholt wird an jeder noch so unmöglichen Stelle. Ob eine Kuppel, eine Kurve oder eine Kurve mit Kuppel, sie ziehen einfach an uns vorbei und zur Not äußerst knapp vor uns wieder rein. Ich beschließ zu googeln wie viele Verkehrstote es hier im Jahr gibt und wie viele Radfahrer sind – aber erst auf der Fähre.

die hilfsbereiten Briten

In einem Pub fragen wir nach Empfehlungen für die Übernachtung und man reserviert uns ein Zimmer. 59£ mit Frühstück… Los geht es. Die 5 Meilen machen den Braten doch nicht fett. Und ihr ahnt es, es geht los mit einer fiesen Steigung und geht über in eine fiese Steigung. Die Navigationsgeräte spinnen aufgrund der ganzen Einbahnstraßen. Unsere Ergebnisse widersprechen sich. Ich höre auf meines. Wieder nicht die klügste Entscheidung. Wir schieben mittlerweile um uns den Verkehrsstress zu sparen und kommen endlich an. Ein tolles charmantes Hotel. Gott werden wir gut schlafen, aber vorher ein Cider, eine Apfelschorle und was essen…