Von ’s Gravendeel nach Andel entlang der Maas

In der Nacht stellt sich die Hütte als weniger idyllisch heraus. Ein muffiger stehender Geruch breitet sich in der Hütte aus, nachdem wir die Tür schließen und aus allen Ecken kommen Spinnen. Das Bier hilft nur bedingt und wir sind uns beim Schlafrhythmus nicht einig, dadurch wecken wir uns gegenseitig einige Male – vielleicht hatte es auch mit Atembegleitgeräuschen zu tun, denen man in so einer Hütte nicht entkommt.

Die Nacht hat uns davon überzeugt zu gehen. Für kurze Zeit bestand auch die Möglichkeit den Rest des Urlaubs hier zu verbringen, doch die Nacht nimmt uns die Freude an dem Gedanken. Also geht es weiter.

Frühstück am See mit Rentner- und Entengang

Zunächst wird Frühstück in der Stadt organisiert und an einem Kanal im Dorfkern bei herrlichstem Sonnenschein gegessen. Ein entspanntes Frühstück bis auf die örtlichen Schwanen- und Entengangs, die sich kurzfristig gegen ihrem gemeinsamen Feind verbündeten und uns aggressiv angebettelt haben. Laut und unerschrocken waren sie. Dennoch haben wir sie durch beharrliches Nichtstun und vor allem dadurch, dass wir keine Anstalten zum Teilen machten, in die Flucht geschlagen. Vermutlich hatten die Rentner des Dorfes aber zum Brotkrümmelgegenschlag ausgeholt und die Gangs so um sich gesammelt.

Zunächst geht auf die Suche nach der richtigen Richtung. In der Stadt jedes Mal schwierig. Vor uns verschließen Schranken einen Bahnübergang und sie wollen sich nicht öffnen. Vor uns hebt der erste Niederländer die Schranke hoch (ja das geht einfach so) und fährt über die Gleise. Nachdem ein zweiter und auch dritter Radfahrer ihm es gleichtun, ist klar, dass wir entweder umkehren oder es auch nachmachen müssen. Mut sammeln, Schranke hochheben und Karo flutscht drunter durch. Mir hält ein anderer die Schranke hoch und wir sind sicher auf der anderen Seite. Nicht nachmachen liebe Kinder.

Nach einiger Zeit haben wir uns den Weg durch die Stadt gebahnt und endlich das Kartensystem vollends verstanden. Im nächsten Dorf beschliessen wir uns Karten zu holen – besser spät als nie. Lachend fällt mir auf, dass ich heute morgen, als ich die Tür zum Einkaufsladen gesucht habe, irrtümlich in einem Buchladen war (dort kriegt man fast immer gutes Kartenmaterial) und zu dem Zeitpunkt so im Tunnel war, dass ich vergass dort die Karten zu suchen. Jetzt müssen wir im nächsten Dorf einen Laden und dort die Karten finden.

Von ’s Gravendeel nach Andel entlang der Maas

Nachdem wir die Stadt verlassen, geht der Weg über einen Deich. Zunächst nur ein kleiner Rinnsal daneben und dann immer größer werdend ein großer Fluss. Wir müssen mehrere Brücken und Fährübersetzungen mitnehmen und sehen eine tolle Landschaft bei bestem Wetter. Das Fahren hier ist so unaufgeregt, dass es keine Zwischenfälle gab, keine nennenswerten Orientierungsprobleme, fehlende Schilder oder irgendwas in der Art.

In einem der folgenden Dörfer werden wir fündig. Ein Buchladen ist bestens ausgestattet. Sehr hilfsbereite Angestellte unterstützen mich bei der Auswahl. Die Karten sind grossartig detailliert mit eingezeichneten B&B, Campingplätzen und Sehenswürdigkeiten. Wir werden in Zukunft noch viel Verwendung für sie haben, denn eines ist jetzt schon sicher: Wir kommen wieder Niederlande. Dieses Land ist sehr gut auf Radfahrer eingestellt, das kann man nicht oft genug betonen. Die Organisation innerhalb von Städten ist sagenhaft, einfach und für alle sicher und nervenschonend. Über Land fährt es sich auch einfach nur gut. Toll dass wollen wir hier auch.

Nach ca. 60 km ist Schluss, bzw sollte langsam Schluss sein. Der Hintern und der Druckschmerz sind echt hart. Karo hat komischerweise kaum Probleme – die Glückliche. Ich fange an mir  Sorgen um wundgescheurte Hinterteile zu machen. Wir suchen nach einem Campingplatz und werden, nachdem der erste eingezeichnete Platz ein Parkplatz zur Caravannutzung war, in Andel fündig. Eine riesige und sehr gepflegte Anlage, aber ruhig und familiär. Es ist Nebensaison, dass merkt man. Die Betreiber lassen uns unser Zelt für 5,50 € aufbauen und vergessen fasst noch die auch abzukassieren. Das Zeltareal ist direkt am Wasser, mit eigenem Strand, mit ein paar Bäumen für den Schatten und den Deich im Rücken. Hinter dem Deich ist dann die Campingsiedlung. Abgelegen und doch alle Annehmlichkeiten eines großes Platze mit tollen Duschen und einer Bar. Ja es gibt mal wieder Bier – Jupiler. Ist gar nicht schlecht.

Wir machen ein paar Fotos und lassen Euch teilhaben.