Ein Berg sie nicht zu knechten

Ein ruhiger Start

Wir verbringen unseren ersten Tag in Kežmarok gemütlich – also fast. Denn aus den unterschiedlichsten Gründen sind wir gezwungen regelmäßig Joggen zu gehen, auch im Urlaub, die Kondition wird benötigt. Es sind eben böse Mächte am Werk…
Die Hitze zwingt uns also früh raus, also früh im urlauberischem Sinne, so neun rum halt. Der Lurchi joggt nicht, der bearbeitet sportlich Bilder. Also legt Karo los und rennt quer durch die Stadt, sobald die Strecke schön wird, gehts bergauf – bergauf – und weiter bergauf. Dann gehts zurück, ihr ahnt es bergab. Von morgendlicher Kühle ist nix mehr zu spüren – Gerüchten zufolge war sie nie da. Die Wanderpals waren auf einer anderen Tour unterwegs, auch hier ging es bergauf, alles andere wäre wirklich sehr unfair gewesen.

Hochroten Kopfes starten wir endlich den entspannten Teil des Tages – mit Einkaufen. Wir wollen eine SIM-Karte für das Internet besorgen, derzeit hat nur Karo sensationelle 1 GB Datenvolumen hier und das soll für unterwegs genutzt werden. Zum Surfen gibt es ne Prepaid, so ist das Motto.

Den Rest des Tages verbringen wir in der „guten Stube“, der Wind weht schön durchs Haus, die Gardinen wehen herein und von draußen dringen gelegentlich Stimmen herein. Pura Vida oder so…

Die Karte läuft leider nicht, alle Versuche bleiben für den restlichen Tag vergeblich, da zum bloggen Internet benötigt wird, macht Karo einen Hotspot an. Ca. 2 h später kommt die Meldung: ihr Datenvolumen ist fast aufgebraucht. 700 MB in zwei Stunde verballert! Der Schuldige ist schnell gefunden – Windows Updates – sehr nett liebes Windows.

Internet ist aus – wir klatschen Applaus und gehen ins Bett.

Solisko

Am Freitag schütteln wir unsere Trägheit ab, fegen wie wild durchs Haus, um zu packen. Prüfen das Wetter und los geht es nach Strbske Pleso. Eine 40 Minütige Autofahrt auf die Berge zu, und ein bisschen hoch hinauf. Der Ort liegt 1351 Meter hoch, von dort wollen wir starten.


Bei der Suche nach einem Parkplatz sehen wir es, ein einziges Touristeninferno. Menschen soweit das Auge reicht. Sie bewegen sich auf die unterschiedlichsten Routen zu, die hier starten. Wir entscheiden uns zuerst mit dem Sessellift zu fahren, der sieht wenig besetzt aus. Stolze 15 Euro pro Person später warten wir auf den Sessel und sind ganz aufgeregt! Unsere erste Fahrt mit so einem Dingens. Bekanntlich ist ja auch noch kein Meister vom Himmel gefallen, also klemmt Lurchi erstmal seinen Rucksack ein und ab gehts. 489 Meter gehts nun bergauf. Mit weichen Knie vor lauter Höhenangst „genießen“ wir unsere erste Fahrt und die spektakuläre Aussicht.

Vom Ende des Lifts, muss der Rest des Gipfels des Soliskos noch zu Fuß erklommen werden. Unsere erste sportliche Herausforderung des Tages.

Wie es bei einem Gipfelsturm üblich ist, geht es bergauf. Fortwährend und immer weiter. Ich denke die Bilder sprechen eine deutliche Sprache und der Kreislauf bläst die Symphonie der Vernichtung. Gut dass wir mit Sport angefangen haben. Mit der Kondition von vor 2,5 Jahren wären wir nicht oben angekommen. Für den Lurch ist Treppensteigen nicht die schönste Beschäftigung aber so mit diesem Ausblick und in dieser Gesellschaft ist das eine traumhafte Beschäftigung.
Auf dem Steig ist ein emsiges Treiben zu beobachten, der Berg ist vielbesucht. Einige kennen die Nettikette am Berg nicht und zwängen sich an den Leuten vorbei… Bergwandern ist kein Wettrennen. Ein kurzer aber intensiver Regenschauer sorgt, dass es leert. 
Oben angekommen erfreuen wir uns der Aussicht. Phänomenal! Atemberaubend! Wir lieben ab jetzt offiziell Berge! Ein wenig erkunden und einige hundert Bilder später gibt es eine kurze Brotzeit. Spartanisch wie es sich für Bergwanderer gehört.

Der Abstieg ist wie man es kennt anders als der Aufstieg. Hoch geht es auf den Kreislauf, runter auf die Muskeln und Gelenke und man kommt leichter ins Straucheln. Gott sei dank ist der Wanderpal zur Stelle und gibt dem Lurch das fehlende Quäntchen Halt. Der Lurch wiederum hilft der Wanderpalin zurück auf den Weg. So machen Wandersleute mit Anstand das!
Die Gruppe wird getrennt Gurken und Wanderpal mischen sich und steigen in neuer Zusammensetzung ab. Bald ist es geschafft und an der Bahnstationen wird mit Bier und Radler gerastet, bis es zurück nach unten geht. Ein toller Blick mit vielleicht etwas viel Luft zum Boden, aber etwas Thrill darf schon sein. Kennt man hier den TÜV?

Nach der Seilbahnfahrt gibt es noch eine Runde um einen schönen See mit ein wenig Caching. Die Rätsel zu verstehen ist auf slowakisch etwas schwerer als auf deutsch oder gar spanisch. Wir suchen und suchen einen besonders hoch gewerteten Cache, finden aber nichts. Ein slowakisches Paar kommt dazu. Cacher erkennen sich sofort. Wir lassen uns den Hinweis zur Lösung übersetzen und kurz drauf klettert die Frau in einen Baum, als würde sie nie etwas anderes machen. Der Mann gibt souverän Anweisung und lässt seine Freundin 5-6 meter in eine Tanne klettern. Wir sind offiziell beeindruckt und ziehen erfolglos weiter… so ist das Cacherleben manchmal.

Und jetzt ab nach Hause. Essen. Bloggen. Applaus klatschen und ab ins Bett!