Burgentour und grüner See

Der letzte Tag mit durchwachsenem Wetter soll (unser aller Wetterapp verspricht uns bestes Wetter in den nachfolgenden Tagen) ein Burgentag werden!
Aus der letzten Ecke kramen wir Schild, Schwert und Rüstung hervor und schwingen uns auf unser Pferd Dacia und reiten nach einem ausgiebigem Schmause gen Osten.

Zipser Burg

Burg Nummer 1 soll die Zipser Burg werden, Weltkulturerbe, bereits beim Weg nach Kosice von weitem gesehen und gesichtet, was vermutlich früher auch Sinn und Zweck war.
Wir berappen die 8 Euros für den Eintritt und stürmen… ähm betreten die Burg völlig gesittet. Wir lauschen dem überaus langweilig gesprochenen Audioguide an einigen „spannenden“ Stationen. Es ist viel los, so drängen auch wir uns in den Burgturm nach oben, um festzustellen, dass die Aussicht unten auch schön war. Allerdings sind die Treppen nach oben ein Erlebnis: in Stein gehauen und eng und niedrig. Der Lurch zerschrammt sich die Sonnenbrille, denn er muss fast hockend gehen, nur die Gurkin glänzt endlich mit ihrer Körperhöhe und kann fast aufrecht nach oben schreiten. (elegant wohlgemerkt!)
In einigen Räumen ist die Szenerie mit Möbeln und Dekoration aus der Blütezeit des Burglebens nachgebildet, eine Küche, ein Schlafzimmer, ein Badezimmer und eine Rüstkammer. Das ist interessant, allerdings zweifeln wir ein wenig daran, dass es in jedem Raum einen gemütlichen Tisch mit Stühlen und Bierkrügen darauf gab. Aber wer sind wir schon.
Wir kaufen Souvenirs beim töpfernden Burgfräulein und begeben uns auf zu Burg Nummer 2.

Burg Lublau

Unser Weg führt uns wieder über Kezmarok (obligatorisches Pipipäuschen inklusive) und weiter zur nächsten Burg. Auch diese Burg trohnt mal wieder von weitem sichtbar auf ihrem Berg und wartet geduldig auf unser Eintreffen.
Die letzten Höhenmeter nach oben bewältigen wir ohne meckern und berappen 5 Euro für den Eintritt. Wir bekommen einen Zettel mit einer kleinen „geführten“ Tour und wollen bei 1 Starten. Allerdings werden wir darauf hingewiesen, dass gerade eine Flugshow mit Greifvögeln läuft. Also stürmen wir dahin, um noch zu sehen, wie ein Greifadler über die Zuschauer hin und her fliegt. Wir finden es irgendwie spannend, doch als wir sehen, wie die armen Tiere gehalten werden, möchten wir doch davon abraten, so etwas zu unterstützen. Die armen Vögel sitzen angebunden mit einem kurzen Seil wie vor einer Hundehütte. Man fragt sich wirklich, warum die nicht einfach davon fliegen, wenn sie mal nicht angebunden sind, arme Tierchen.
Nach dem Spektakel geht es zurück zu Station 1, der Vorschlag doch einfach hier oben bei der vier zu beginnen, wird brüskiert abgewiesen. Gesunder Autismus!
Die Burg Lublau gefällt uns viel mehr, sie ist besser erhalten, zwar etwas kleiner aber hier kann man sich das Burgleben sehr gut vorstellen. Der Begleitzettel zur Burg hat auch genau die richtige Größe. Der Wanderpal rezitiert fleissig und wir laufen von Station zu Station. Applaudieren können wir leider noch nicht, sonst müssten wir ja schlafen gehen.
Nach dem Rundgang überlisten wir Anja und gehen nicht am Souvenirladen vorbei, das merkt sie aber erst am Parkplatz und straft uns alle mit bösen Blicken.

Für Burg Nummer 3 ist es leider schon zu spät, wir müssen an einem anderen Tag in die Burg Kezmarok gehen. Es bleibt also nur noch Zeit für Schlemmerei, den Applaus und das Bett. Den morgen soll es endlich mal wieder in die Berge gehen!

Grüner See

Der morgendliche Brötchenkaufwahnsinn (20 Stück), lässt das Vorhaben erahnen: Wir wollen wandern und zwar weit. Hoch auf den Berg, einmal drüber und drum herum zurück. So in etwa wurde uns die Wanderung zum grünen See angepriesen.
Leider müssen wir den Lurch zurück lassen. Er muss das Haus hüten und aufpassen, dass keine Einbrecher kommen – soweit die offizielle Verlautbarung.
Zu Dritt begeben wir uns mal wieder nach Tatranska Lomnica zur Seilbahn. Heute nur One-Way zum Steinbach See (Skalnate Pleso) den Rest werden wir zu Fuß gehen. Aufgrund unserer eisernen Disziplin am Morgen müssen wir gar nicht so lange an der Seilbahn warten, wir sind nämlich um 10 Uhr schon da!
Die Lomnitzer Spitze ist in graue Wolken gehüllt, die Seilbahn auf die Spitze verschwindet in der grauen Suppe. Wir befinden uns unterhalb der Wolken und laufen los. Immer den Steinen nach. Der Weg wird so bleiben, bis fast zum Schluss, aber das wissen wir noch nicht. Wir steigen also erstmal vom Steinbachsee hoch am Observatorium vorbei mal wieder dem Tatranska magistrala Weg lang zum nächst gelegenen Gipfel dem Velka Svistovka. Von dort haben wir eine tolle Sicht auf die grünen Berge der hohen Tatra und schießen ein Trelfie für den zurückgebliebenen Lurch. Das Bild können wir vom Gipfel versenden, warum auch immer ist das Netz dort oben hervorragend.
Dann steigen wir ab, der Weg ist stellenweise einem oder mehreren Erdrutschen zum Opfer gefallen, so dass wir uns gelegentlich auf dem Arsch nach unten gleiten lassen. Immer den Steinen nach. Groß, kantig, rund, klein, scharfkantig, abgerundet, eingesägt, braun, sandfarben, grau. Alles Farben und Formen der Steinwelt. Nur Wacker der Schnarchkiesel ist nirgends zu sehen. Ist ja klar, tönt es mir entgegen, der ist ja auch in einem Flussbett und nicht aufm Berg! Dann ist es geschafft, der grüne See macht seinem Namen alle Ehre, er grünt vor sich hin.
Wir kehren in die Hütte daneben ein und trinken erstmal ein Bierchen. Gefühlt haben wir den Hauptteil unserer Wanderung hinter uns. Das dem nicht so ist, bemerken wir erst viel später, daher verbleiben wir nach der kurzen Rast in diesem Glauben und folgen, mal wieder dem Steinweg, der uns um den Berg zurück nach Tatranska Lomnica führen soll.
Mehrmals weisen die Wanderpals darauf hin, dass sie den Weg weniger steinig in Erinnerung haben. Dennoch bleibt er so steinig und unwegsam. Da helfen auch keine Erinnerungen. Ein paar mal macht der Weg zwar den Anschein, er möchte jetzt zu weichen Waldboden werden, das hält aber maximal dreißig Schritte um unmittelbar wieder in die gewohnten großen und kleinen Felsbröckchen überzugehen.
Wir laufen durch Wald an einem kleinerem Bachlauf entlang. Ein paar Lichtungen mit Ausblick auf Kezmarok sind auch dabei. Als wir endlich zur Zwischenstation der Seilbahn kommen, geht der endlich auf einen asphaltierten Weg nach unten zum Auto. Dies ist auch bereits der Zeitpunkt, an dem die Füße fast den Geist aufgeben.
Am Auto angekommen, haben wir stolze 18 km hinter uns. Völlig erledigt suchen wir uns noch etwas zu Essen in Kezmarok. Der Applaus fällt heute deutlich leiser aus.