Noch mal von vorn

Nach dem gestrigen Ruhetag wollen wir es noch einmal wissen. Wir möchten die Cache-Runde, an der wir vor einer Woche kläglich gescheitert sind, noch einmal angehen. Da wir niemals Nr. 1 von 12 erreicht hatten und am Ende auf einem Berg in der Sackgasse gelandet sind, haben wir die bestechende Idee, einfach von der 12 anzufangen, da ist sogar ein Weg auf unseren Karten eingezeichnet. Der Plan ist, wenn wir erst einmal auf der „Runde“ sind, kann nix mehr schief gehen.

Wir fahren also wieder hinter Svit ins kleine Skigebiet an unseren Start, diesmal sind ein paar mehr Autos und auch ein paar mehr Radfahrer unterwegs, ein klassischer Ausflugssonntag auch für die Slowaken. Blauer Himmel mit vereinzelnden Wolken. Auf der Hohen Tatra ist mal wieder Wolkenstau, so dass die Spitze der Berge nicht zu sehen sind, vereinzelt sieht es sogar so aus, dass es auf den Bergen regnen würde.

Selbstverständlich geht es konstant bergauf und wir werden an den ersten (letzten) Stationen im Unterholz auch fündig, wir freuen uns die Schmach wieder ausgleichen zu können und schütteln uns regelmässig, um mögliche Zecken abzuschütteln oder sonstiges Getier. Wir sichten am Wegesrand eine Blindschleiche, die möchte sich aber nicht für eine Photosession zur Verfügung stellen, sie schleicht sich davon. Treu begleitet werden wir nur von jeder Menge summender Fliegen, die uns andauert um den Kopf herumschwirren.
Der Weg führt uns durch den Wald mit Blick auf die Berge rings herum konstant nach oben, nach ungefähr 5 Kilometern haben wir uns von ca. 760 Höhenmeter auf 1255 Meter hochgearbeitet und erreichen nun dem Ziegenstein den Kozi Kamen. Drei nette Damen sitzen bereits hier oben und machen Rast, ganz traditionell slowakisch mit in Streifen geschnittenen Speck, den sie munter mampfen.
Sie lächeln uns aufmunternd an, das liegt vermutlich daran, dass man uns die letzten Höhenmeter an den hochroten Köpfen ansehen kann. Der Lurch hat bereits vorm Gipfel begonnen seinen Kreislauf die Symphonie der Vernichtung blasen zu lassen und schleppt sich ebenfalls auf den Gipfel. Die drei Damen reichen uns gut gelaunt das Gipfelbuch in dem wir uns pflichtbewusst eintragen (mit Klarnamen, ogottogott).

Nach unserer Rast machen wir uns auf der anderen Seite des Gipfels zum Abstieg bereit. Pünktlich beim losgehen grollt in der Entfernung etwas, die schiere Panik vor Gewitter lässt die Gurkin wie der Sausewind schneller nach unten stolpern. Der Weg ist ab diesem Punkt etwas abenteuerlicher, eher ein Trampelpfad durchs Unterholz, aber die seltenen Markierungen zeigen uns, wir befinden uns immer noch auf einem hoch offiziellem Wanderweg. Die nächsten zu bewältigenden Meter befindet sich noch weit oben, so dass wir eine grandiose Weitsicht auf die Umgebung haben. Das Grollen stellte sich ebenfalls als blinder Alarm heraus, so können wir auch mit gemütlicher Geschwindigkeit weiterreisen.
Es geht noch einige Zeit leicht bergauf und bergab bis wir an eine Anhöhe kommen, auf der der Weg definitiv nicht mehr erkennbar ist. Scheinbar ist der Wanderweg einer recht großen Rodungsaktion zum Opfer gefallen, so dass wir quer über den Gipfel stürmen und nach ihm weiter Ausschau halten.
Dann entdecken wir ihn, da unten ist er, wir müssen einen ziemlich steilen Abhang hinunter, selbstverständlich rutschig und voller Brennessel. Tapfer machen wir uns an den Abstieg. Den Lurch legt es hin, er verliert seine Sonnenbrille und macht den Anschein, dass er keinen Meter auf diesem Untergrund weiter will, er betont auch, dass er keinen Anstieg mehr will. Wir sammeln uns und laufen langsam weiter.
Selbstverständlich wiedermal ein Stück bergauf. Inzwischen erklingt die Symphonie bereits in einer sehr meisterhaften Ausführung, so dass wir schon Angst haben, den Lurch am Wegesrand liegen lassen zu müssen. So schnaubte er noch nie. Aber er hält sich wacker (wie der Schnarchkiesel) und wir machen langsam wieder einiges an Entfernung.

Die Runde entpuppt sich an der entscheidenden Stelle leider als Anleitung ab hier einmal bitte 1 km links ab ins Unterholz zu gehen. Das wollen wir nicht machen, wir akzeptieren nun endlich, wenn kein Weg eingezeichnet ist, dann ist da auch keiner da! Wir scheißen also auf die 4 fehlenden Dosen und entscheiden uns vernünftigerweise für den ausgeschilderten Wanderweg. Dieser führt uns allerdings in einem riesigen Bogen zurück zum Parkplatz. An dieser Stelle fängt der Lurch an auf Notstrom zu funktionieren. Wir beginnen Wasser zu rationieren und folgen dem glücklicherweise inzwischen recht breitem und gut zu laufenden Weg weiter. Es geht ab hier bergab und zwar sehr lange, keiner spricht es aus, aber die Angst ist da, dies alles noch einmal nach oben zu müssen.
Als wir dann auf einen gut ausgebauten Radweg treffen, erlauben wir uns endlich mal eine Rast und sitzen im Schatten auf Bänke und bemitleiden uns vielleicht ein bisschen selbst. Der eine weniger der Lurchi etwas mehr – so gleicht es sich aus. Von hier aus beobachten wir ein wenig die Radfahrer, die zeigen uns, dass wir uns mal wieder für ein bergauf rüsten müssen, denn vereinzelt schießen die an dieser Stelle mit einem ganz schönem Tempo vorbei.
Dies ist dann auch der Fall, aber durch Rast und Pause gestärkt auch nicht mehr so schlimm und auch nicht sehr steil.
Wir entdecken kurz vorm Ziel eine Abkürzung, unter größtem Protest vom Lurch nehmen wir diese, um kurz vorm Ende noch ein wenig Thrill mitzunehmen. Das Vertrauen in unsere Navigation ist hin, böse Blicke ernten wir vom Lurch, da wir den schönen Asphalt verlassen haben, auf unebenem Waldboden sind und wir uns mal wieder an einem recht steilem Abhang befinden. Zugegeben des Lurchens Schuhwerk war ausser für den Asphalt für wenige Wege geeignet. Die Wegführung war durchaus unerwartet. Ungefähr 2-3 mal werden wir verflucht, dann hat uns der Asphalt wieder. Stolze 14 km und über 600 Höhenmeter Anstieg später sitzen wir ächzend und stöhnend im Auto und befinden uns endlich auf der Rückfahrt.

Wir gehen gut essen und machen das einzig sinnvolle nach so einem Tag, wir lassen uns volllaufen und schlagen nachts auf der Burgwiese noch das eine ums andere Rad. Der Lurch applaudiert und wir legen uns schlafend ins Karussell.