Vom Baum zum Rysy

Baumwipfelpfad

Inzwischen wissen wir: alle unsere Ziele liegen hinter einer Anhöhe, einem mittlerem Abhang oder einem massiven Berg. Allerdings verdrängen wir diese Wahrheit ständig und sind stets aufs Neue überrascht. Wir möchten nach unserer Cache-Thrill-Runde mal wieder was „gemütliches“ machen und haben hierfür einen Baumwipfelpfad auserkoren. Dem Flyer haben wir entnommen, es gibt drei Parkplätze, von einem gibt es eine Seilbahn und von den anderen muss man laufen. Mit Hinblick auf das Budget entscheiden wir uns für den Parkplatz in Jezersko von wo aus wir ungefähr 1,4 km laufen müssen. Der aufmerksame Leser merkt es spätestens jetzt, wir denken einfach immer noch viel zu deutsch und nicht slowakisch genug. Natürlich führen uns die nächsten 1,4 km eine Ski-Piste hinauf (Kategorie schwarz)!
Sämtliche Geräusche und Flüche des Lurchs werden hier großzügig überspielt und wir spulen direkt zum Eingang. Hier gibt es nämlich die nächste Überraschung, es ist natürlich wie immer voll mit plärrenden Kindern und drängelnden Familien, aber ein Blick zeigt die Seilbahn ist noch gar nicht fertig, und die Rutsche von oben auch noch nicht (schade). Der Weg über die Bäume ist ganz nett und auch der ewige wendeltreppenförmige Aufgang zum Turm hoch ist ganz cool. Das eigentliche Highlight ist allerdings das begehbare Netz, welches oben gespannt ist und uns eine ganze Menge an Mumm kostet, diese zu betreten. Wir pausieren eben an diesem Schauspiel und schauen Jung und Alt beim Betreten oder Scheitern zu. Selbst gestandene Rockermänner trauen sich teilweise nicht.
Ein Junge verliert seinen Schuh, dieser stürzt gnadenlos nach unten und das Geheule ist riesig. Nach einer Weile haben wir genug von dem Schauspiel und wir machen uns auf den Rückweg. Unterwegs holen wir uns noch einen Cache neben einem mittel großen Kackhaufen, vielen Dank ihr edlen Recken! Dann steigen wir die Skipiste wieder hinunter, auf diesem Weg ist nicht viel los, nur vereinzelt kommen uns ein paar Verwirrte entgegen, die auch den Baumwipfelpfad suchen. Ist gleich geschafft sagen wir, auch wenn es eventuell etwas gelogen ist.
Zurück in Kezmarok müssen wir unbedingt noch einmal kurz in die Burgegenüber unserer Unterkunft, die verglichen mit dem Burgentag etwas weniger spektakulär ist, aber unbedingt gemacht werden musste.
Da für den Mittwoch die Rysy-Wanderung ansteht, klatschen wir sehr früh Applaus und gehen ins Bett.

Rysy

Der Wecker klingelt 5:30 Uhr, es steht der Rysy an, ein Grenz-Berg mit drei Gipfeln. Einer auf 2500 Meter in Polen, einer auf 2499 Meter in der Slowakei und der andere nicht so hoch, als dass ich ihn hier erwähnen möchte. Der Gipfel ist von polnischer und slowakischer Seite her zu besteigen, dass es hier bis 2007 ein Grenzübergang gab, ist schwer vorstellbar. Der slowakische Wanderweg ist wohl der leichtere von beiden, endlich haben wir uns mal für die richtige Seite entschieden.
Den Lurch lassen wir schweren Herzens zurück, einer muss ja das Essen zubereiten, wenn wir völlig entkräftet zurück kommen.
Proviant und Rücksäcke haben wir bereits am Vortag gepackt, so dass wir ohne große Verzögerungen mitten in der Nacht starten können. Wir fahren zum Start nach Strypske Pleso und sind genau um 7:00 Uhr morgens auf dem Weg nach oben.
Den angenehmen Waldweg versuchen wir so lange es geht zu genießen, denn natürlich wir dieser sehr bald durch die beliebten Steine abgelöst. Der Aufstieg ist ungefähr 10 km lang und es sind ca. 1600 Höhenmeter zu bewältigen, die Strecke wird mit 4 Stunden und 30 Minuten angegeben. Also das ist das Tempo für so einen mittleren durchtrainierten Slowaken, der Rest schafft es vermutlich in 2 Stunden. Das könnte man zumindest meinen, wenn man all diese übermotivierten Menschen beobachtet, die uns auf dem Weg zum Gipfel in einem Affenzahn überholen.
Die erste längere Rast an einer Brücke über einen Gebirgsbach lässt erahnen was uns bevorsteht: sehr viele Wanderer. Sobald man stehen bleibt wird man überholt, es gibt kaum Lücken, an denen man mal ein wenig seine Ruhe hat. Das ist leider der enttäuschende Part an der Wanderung, die Natur ist atemberaubend und die Steigung sind körperlich anstrengend, aber man hat ständig das Gefühl man befinde sich auf einer Wanderautobahn. Später lesen wir auch, dass der Rysy der beliebteste Gipfel der hohen Tatra ist und Hinz und Kunz da hoch will. Möchte einer von euch hier Urlaub machen, empfehle ich euch diese Wanderung definitiv nicht, es gibt hier weniger frequentierte Strecken.
Natürlich ist aufgeben keine Option, zumal es der Wunsch der Wanderpals ist unbedingt nach oben zu gelangen, warum könnt ihr dann bei Ihnen nachlesen. Also ziehen wir nach der Stärkung weiter nach oben. Nach einer Weile setze ich mich von beiden ab und begebe mich alleine zum Aufstieg. Per Walkie Talkie halten wir uns gegenseitig auf dem Laufenden. In Serpentinen geht es auf eine kleine Klettertour über einen schmale Grad, um in einem Kessel mit zwei Seen zu landen, am See gehts kurz Waagerecht, um dann zum eigentlich fiesen Aufstieg zu kommen.
Der Weg führt zu einer Hütte, bei der ich mich im ersten Moment in trügerischer Sicherheit wiege, um dann festzustellen der Gipfel ist ab hier noch mit 0:45 Stunden ausgeschildert. Ich raste kurz, begutachte das Plumpsklo, werde von einer übereifrigen Wanderin zur Seite gedrängt und schneide mir dadurch an einem scharfkantigen Stein die Hand auf, aber es hilft ja nix, ich will rauf auf den Gipfel!
Die letzten Meter sind eine ganz schöne Kletterei, das links und rechts lauter rücksichtslose Wanderer sind, macht es nicht sicherer. Zum Glück habe ich erst heute beim Schreiben den Wikipediaartikel gelesen, in dem auch von tödlichen Unfällen auf dem Weg zum Rysy die Rede ist.
Ich kämpfe mich also zum Gipfel hoch und gebe pünktlich 11:30 Uhr (exakte Reisezeit lt. Ausschilderung) den Funkspruch durch, dass ich jetzt oben bin. Thomas gratuliert mir und ich möchte nun eigentlich gemütlich auf die Beiden warten und mein Pausenbrot essen. Inzwischen bekomme ich auch die SMS von O2, willkommen in Polen. Was mich auch zu dem Punkt bringt, wie absurd (oder fortschrittlich?) es ist, dass man hier wirklich überall Netz hat.
Leider wird es in der Zwischenzeit immer voller hier oben, an mir turnen eine Menge Leute vorbei, den Gipfelcache hier zu finden erscheint nicht sehr aussichtsreich. So entschließe ich mich den Rückweg anzutreten, obwohl ich so gerne ein Trelfie mit den Wanderpals auf dem Gipfel gemacht hätte.
Wir treffen uns kurz vor der Kletterpassage und halten einen kleinen Plausch, mir kommt es immer noch so vor, dass mehr Leute hoch gehen als runter. Gerne hätte ich einmal gewusst wie viele Menschen auf so einen Gipfel passen, 324?
Ich begebe mich also langsam auf den Rückweg, lasse mich von sehr vielen Leuten überholen und komme dennoch leider etwas zu schnell unten am See mit der Bierhütte an. Hier warte ich ein Weilchen auf die Wanderpals, beobachte das Treiben und erkenne die Dränglerin von oben wieder. Wir genehmigen uns noch ein Bierchen auf den Erfolg und begeben uns dann zu dritt zum Auto zurück. Am Start ist es exakt 19:07 Uhr. Wir waren also fast exakt 12 Stunden unterwegs.
Zu Hause erwartet uns der Lurch mit einem leckerem Essen, welches wir uns reinschlingen. Total fertig und im Gesicht anständig verbrannt, fallen wir recht früh ins Bett, nur der Lurch hatte noch Kraft ganz leicht zu klatschen.

Kein Ausflug mehr für Karo

An unserem letzten Tag vor unserer Abreise, möchten wir eigentlich noch einen kleinen Ausflug machen. Nur leider sieht es so aus, dass die Gurkin des morgens beim Duschen ausrutscht und sich mit Schwung Rücken und Zeh zerstört.
Nachdem es anfänglich noch so aussieht, dass nix schlimmes passiert ist, wird dann im Laufe des kleinen Kezmarok Stadtbummels klar, es wird nix mehr mit dem Zeh und irgendwelchen Schuhen. Die Karo muss wohl zu Hause bleiben und dem Zeh beim blau werden zuschauen. Wir lassen die Wanderpals alleine losziehen, denn der Lurch ist so lieb und leistet mir Gesellschaft. Das hat zumindest dazu geführt hat, dass wir noch einmal im Urlaub bloggen konnten.
Für Eure Kommentare und das Interesse an unserem Geschreibsel schon mal einen herzlichen Dank, die nächsten Ausflüge kommen bestimmt. Morgen geht es erst einmal zurück auf die Autobahn nach Hause, für mich allerdings noch über einen „kleinen“ Umweg über Berlin und Dresden.